Sascha Lobo: „Erfolg kommt mit der Zeit“

Sascha Lobo bei VOK DAMS in WuppertalMit Sascha Lobo kam am Donnerstag, 02. September 2010, einer der prominentesten deutschen Blogger, ein Autor und Kommunikationsberater für Social Media nach Wuppertal. So hatte ihn zumindest die Eventagentur VOK DAMS angekündigt, die Lobo als Keynote-Speaker für ihre Sommer-Trend-Tour 2010 durch sechs ihrer Filialen gewinnen konnte, deren Schwerpunkt auf dem Thema Events & Web X.0 liegt.

Geladen waren zahlreiche Firmenvertreter aus dem Kundenstamm von VOK DAMS sowie auch Pressevertreter und einige Blogger. Während die Resonanz unter den Unternehmen so gut schien, dass sogar noch kurzfristig Stühle herangeschafft werden mussten (gelebtes Marketing), zeigten sich die letzten beiden Gruppen etwas zurückhaltender. Interesse am Thema Internet scheint in Wuppertal weiterhin kaum zu bestehen.

Die Welt nutzt das Internet zur Informationsbeschaffung, ist bei Facebook mit den Freunden vernetzt und teilt sich ständig und unaufhaltsam mit. Ob per SMS, Twitter-Nachrichten oder über Kommentaren auf andern Internetseiten. User stehen auf Einfachheit, sie geben ihren Freunden und Bekannten Empfehlungen. Unternehmen haben aufgrund der „Weisheit der Vielen“ daher keinen Einfluss darauf, wie sich ihre Marken entwickeln. Sie können auf Entwicklungen reagieren und sie abschwächen oder verstärken – aber keinesfalls komplett steuern. Jedoch bergen die neuen Möglichkeiten durchaus Potentiale, „einen digitalen Mehrwert, der offline nicht zeigbar ist“, ist sich Sascha Lobo sicher.

„Während eines Hypes ist es schwer zu sagen, was als Substanz übrig bleibt“, erklärt der Berliner. Twitter sei „nicht die Erlösung der Menschheit“, Facebook werde allerdings nicht mehr so schnell verschwinden. Die Entwicklungen hierzulande unterscheiden sich allerdings deutlich im Vergleich etwa zu den USA, wo für viele Nutzer ohne Twitter, Facebook und Blogs nichts mehr los ist. „Deutschland scheint kein Land zu sein, wo Blogs und Microblogging durchstarten“, so Lobo.

Diese Erfahrungen kann man durchaus teilen, wobei es in Wuppertal noch eine Spur „schlimmer“ ist. Das große „Blogsterben“ ist auch am Tal nicht vorbei gegangen. Einige ehemals sehr motivierte Blogger finden heute kaum noch Zeit, ein paar Zeilen zu schreiben. Bei Twitter hat sich ein kleiner, feiner Stamm mit Wuppertalern gebildet, der die aktuellen Ereignisse im Tal kommentiert. Während die jüngere Generation, die zum Teil mit dem Medium aufgewachsen ist, in der Party-Community annos und in den Sozialen Netzwerken aktiv ist, sieht es bei den älteren Semestern deutlich zurückhaltender aus. Bei Facebook und Xing sind viele, sie nutzen die Plattformen allerdings nicht optimal. Bis auf einige wenige Ausnahmen können Wuppertaler kaum bewegt werden. Den Satz „Das Foto von mir darf gerne in die Zeitung, aber nicht ins Internet“ hört man immer noch viel zu häufig, Vorbehalte werden etwa auch durch die vom lokalen Medium sehr einseitig unterstützte Diskussion um Google Street View nicht gerade abgebaut. Die Vorteile, die das Internet in Verbindung mit dem „realen“ Leben bietet, werden im Tal viel zu häufig unterschätzt.

Vielleicht haben die Vertreter der Wuppertal Marketing GmbH, die ebenfalls eingeladen waren, aus dem Vortrag von Sascha Lobo und den anschließenden Präsentationen von David Korte, Grouphead Research von VOK DAMS.Consulting, etwas mit nach Hause genommen. Wünschenswert wäre es durchaus. Denn wie man diese Vorbehalte abbauen kann, das weiß auch Sascha Lobo nicht: „Das ist eine schwierige Frage. Der Erfolg stellt sich wohl erst mit der Zeit ein.“ Vielleicht sollte man eine solche Veranstaltung mal nur mit Wuppertalern machen. Die Bergischen sind ja sowieso ein recht mürrisches Völkchen, das zu Neuem fast schon erst „getreten“ werden muss. Von daher bleibt zu hoffen, dass es wirklich nur eine Generationenfrage ist und sich die Älteren irgendwann überzeugen lassen und sich vor allem nicht mehr verschließen wollen. Auf dem iPad die aktuellen Nachrichten lesende Wuppertaler werden in Bus und Schwebebahn noch wie Aliens angeschaut. Wie lange dieser Zustand noch andauert, das ist die überaus spannende Frage. Die Welt ist – wie so oft – den Wuppertalern um mindestens einen Schritt voraus.

Update: Inzwischen hat sich auch der Jaycee vom Atomlabor ausführlich und sehr treffend zur Veranstaltung mit Sascha Lobo bei VOK DAMS und der allgemeinen Situation in Wuppertal geäußert. Lesetipp!

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Kommentare

      Jaycee aus dem Atomlabor Wuppertal
      03.09.2010, 13.17 Uhr

      Tja Marcus,
      gerne wäre ich der Einladung gefolgt und hätte auch als Atomlabor Wuppertal an der Veranstaltung teilgenommen.
      Leider ist es aber so, dass eine PK ab 15h nicht in mein aktuelles Zeitkonzept paßt (ich bin froh, wenn ich schon gegen 18h in Wuppertal bin).

      >>>Die Bergischen sind ja sowieso ein recht mürrisches Völkchen, das zu Neuem fast schon erst “getreten” werden muss.<<<

      Noch scheint man als Blogger im Tal, aber auch im Umland ein Exoticus zu sein, aber wie Sascha es so schön sagt bringt auch hier die Zeit einen Wandel.

      Jetzt hoffe ich noch auf die versprochenen Unterlagen von Vok Dams.

      MfG Jens Mahnke

      Marcus Müller
      03.09.2010, 13.25 Uhr

      @Jaycee
      Das weiß ich doch, du warst ja entschuldigt. Der Hinweis hinsichtlich der Resonanz bei Medien und Blogger war auch eher in Richtung anderer verstanden…

      Nicht nur die Blogger sind an vielen Stellen noch Exoten. Alles, was mit dem Internet, zu tun hat, wird oftmals schräg angesehen. Bei anderen hingegen rennt man offene Türen ein. Besonders bei denen, die auch über den Tellerrand hinaus schauen.

      Jaycee aus dem Atomlabor Wuppertal
      03.09.2010, 13.31 Uhr

      Persönlich stelle ich zur Zeit nur fest das mein Weitblick gerade nicht sonderlich belohnt wird.

      Ich wünschte mir auch mehr Blogger im Tal.

      Raintrader
      04.09.2010, 09.19 Uhr

      Na da war Herr Lobo ja genau am richtigen Ort.
      Frage mich gerade ob mit der Kommunikation zum Event nicht was schief gelaufen ist, wenn man erst nach der Veranstaltung davon erfährt.
      Ich mag mich täuschen aber viel wurde im Vorfeld nicht dazu getweeted,gefacebooked etc.
      Ich hätte mir Herrn Lobo gern mal angehört bzw. angesehen.
      Gab es denn einen live Stream via Ustream.tv oder ähnliches ?? Dann hätten auch die „mürrischen Wuppertaler“ die nicht zum erlauchten Vok Dams Kundenstamm gehören was davon.
      Ach, gabs nicht ?? Na dann muss Herr Lobo wohl noch viel beraten in Sachen „Neue Medien und deren Nutzen“.

      Markus
      04.09.2010, 09.33 Uhr

      Hätte da auch gerne teilgenommen, aber war gar nicht erst eingeladen…

      Marcus Müller
      04.09.2010, 13.57 Uhr

      @Raintrader
      Die Sommer-Trend-Tour 2010 ist nur für „eingeladene Event- und Marketingentscheider“, keine offene Veranstaltung. Aus diesem Grund wurde sie wahrscheinlich nur auf der Seite des Veranstalters via Pressemitteilung angekündigt, Feedback via Facebook und Xing gab es nur persönlich. Neben den Vertretern aus Unternehmen hat man auch der Presse und Bloggern per Einladung die Gelegenheit gegeben, am vorangehenden Pressegespräch teilzunehmen und dann anschließend natürlich auch der Veranstaltung beizuwohnen. Solch ein Event sollte man jedoch mal für Wuppertaler allgemein (Nutzer sowie Firmenleute) machen und nicht nur für Marketingleute aus dem gesamten Umkreis in Wuppertal.

      @Markus
      Aus Wuppertal waren insgesamt drei Blogger eingeladen, wovon einer teilgenommen hat, einer sich entschuldigte (aber die Pressemappe anforderte) und einer (bislang) überhaupt keine Reaktion zeigte. Meiner Meinung nach hätte man noch ein paar andere (da gehörst du auch zu) durchaus einladen können, dann hätte man ein besseres und interessanteres Feedback bekommen. Letztlich saß ich mit einem Event-Blogger und einem Event-Jornalisten mit dem Chief Creative Officer von VOK DAMS und Sascha Lobo zusammen.

      Jaycee aus dem Atomlabor Wuppertal
      07.09.2010, 15.57 Uhr

      >>>Solch ein Event sollte man jedoch mal für Wuppertaler allgemein (Nutzer sowie Firmenleute) machen und nicht nur für Marketingleute aus dem gesamten Umkreis in Wuppertal.<<<

      Wird dran gearbeitet

      Guido Gallenkamp
      11.01.2011, 14.46 Uhr

      Vielleicht haben alle außer den Unternehmern den Lobo schon als Pfeife entlarvt, der sich vielleicht zum Schmücken, aber nicht zum Reden eignet 🙂

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