Werbung wirkt, auch in einer Demokratie

Man muss als Zeitung (oder als Online-Medium) nicht die Meinung seiner Werbekunden teilen. Man kann es, man sollte sie aber auch kritisch hinterfragen. Immer. Rückschlüsse lassen sich für den Leser meist nicht daraus ziehen, ob ein Medium einer gewissen Meinung ist, nur weil es Anzeigen mit entsprechenden Aussagen veröffentlicht. Denn für die Meinungsbildung kann die redaktionelle Berichterstattung herangezogen werden, die Werbung trägt ausschließlich zur Finanzierung des Mediums bei. So sollte es in Redaktionen und Verlagshäusern gehandhabt werden. Und wird es meist auch. Zwischen dem redaktionellen Teil und dem Anzeigenteil besteht keinerlei Verbindung.

So ist es auch bei der „Cronenberger Woche“ (CW), die zum wiederholten Male von der Kreisvereinigung Wuppertal des „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.“ (VVN-BdA) an den Pranger gestellt werden soll. Warum? Weil sie im Vorfeld der Landtagswahl 2010 eine Anzeige von „pro NRW“ abdruckte. „Sie haben dieser Partei damit eine Bühne geboten, auf der sie sich und ihre Ansichten in einem seriösen Umfeld präsentieren konnte, und gerade ein seriöses Image ist wichtig für eine Partei, die sich als basisdemokratische Bürgerbewegung inszeniert, und doch ganz andere Ziele verfolgt“, erklärt der SprecherInnenkreis der VVN-BdA Wuppertal in einem offenen Brief und stellt sogleich zwei Forderungen auf. Man möge sich zum einen öffentlich von „pro NRW“ distanzieren und darüber hinaus den Erlös aus der Veröffentlichung der Wahlanzeig „medienwirksam an Vereine, Organisationen oder Institutionen [spenden], die das Ziel der Völkerverständigung verfolgen und das friedliche Zusammenleben der Menschen in unserer Stadt fördern und erhalten“.

Da haben die Damen und Herren des VVN-BdA aber nicht aufgepasst: Weder in der Vor- noch in der Nachberichterstattung der „Cronenberger Woche“ über die Landtagswahl vom 09. Mai 2010 war jemals ein Vertreter von „pro NRW“ zititert worden (unter anderem hatte es eine Übersicht mit den Kandidaten der fünf großen Parteien gegeben), noch waren die Ergebnisse der Bürgerbewegung genannt worden. Zwar waren diese in Cronenberg (3,80 Prozent Erststimmen, 3,60 Zweitstimmen) deutlich besser ausgefallen, als im übrigen Stadtgebiet von Wuppertal (2,16 Prozent Erststimmen, 2,30 Zweitstimmen), das hing allerdings nicht mit den Berichten in der „Cronenberger Woche“ zusammen. Wieso sollte man sich also deshalb distanzieren, wenn man „pro NRW“ nie genannt hatte?

Und wieso soll man Anzeigenerlöse ohne Weiteres spenden? Man hat sich ja nicht gesetzeswidrig verhalten. Im Gegenteil: In unserer Demokratie dürfen alle bei Wahlen antretenden Parteien und Bündnisse Werbung für sich machen. Und wenn „pro NRW“ – die auch gefühlt das gesamte Stadtgebiet mit Pappplakaten an Laternenmasten zupflasterten – meinen, eine große Anzeige schalten zu müssen, dann sollen sie das machen. Auch wenn es einem persönlich vielleicht nicht so in den Kram passt. Anderen Parteien steht diese Möglichkeit ja auch zu, auch wenn sie sie nicht nutzen mögen. Andererseits: In der gleichen Ausgabe der „Cronenberger Woche“ hatte auch die SPD eine große Anzeige auf der Titelseite geschaltet. Da hat sich niemand drüber aufgeregt. Und das, obwohl diese (deshalb?) wieder stärkste Partei im CW-Land wurden.

Im schlimmsten Fall könnte man also sagen: Werbung wirkt! Wenn man etwas erreichen möchte (jetzt nicht nur politisch, sondern auch geschäftsmäßig), dann sollte man ein wenig in Anzeigen investerien. Denn Werbung wird wahrgenommen, auch wenn viele etwas Gegenteiliges behaupten. Und zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Wer im wupperblog wirbt, der muss gar nicht viel Geld ausgeben, um sein Produkt oder seinen Laden vorzustellen – ab fünf Euro ist man dabei…

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Kommentare

      jessy
      30.08.2010, 21.04 Uhr

      die problematik besteht ja ganz klar darin, dass es eben um diese partei geht. da hätte auch heinzwurst für die violetten werbung machen können, jedoch hätte das kaum einen interessiert. pronrw etc kann und wird man wohl auch nicht die etlichen plakate verbieten, weil deutschland eben ein freies land ist.
      die cw konnte das geld sicherlich gut gebrauchen.
      aber so eine diskussion bringt der partei doch wieder publicity und kostenlose werbung. also einfach drüber hinwegsehen.

      Marcel
      31.08.2010, 00.42 Uhr

      Kann die Kritik aber mehr als verstehen – das wirkt für den Otto-Normal-Bürger ja doch so, als würde die Cronenberger Woche rechtsextremistische Parteien unterstützen. Man muss nicht für alles und jeden Werbeflächen freiräumen wenn man auch nur ansatzweise was von sich und der Demokratie hält… Die Bekämpfung solcher Organisationen sollte nicht an Profitgier scheitern

      Marcus Müller
      31.08.2010, 11.54 Uhr

      @Marcel
      Diese Organisation war zur Wahl zugelassen, also durfte sie auch Werbung machen. Klar spielen da auch finanzielle Interessen eine große Rolle, weil solch eine große Anzeige wird nicht häufig gebucht. Aber nur weil man gegen etwas ist und die andersherum eine gewisse Daseinsberechtigung von anderen eingeräumt bekommen haben, sollte man auf das Geld verzichten? Das Anzeigengeschäft ist derzeit so schlecht, dass man sich das zwar überlegt, aber dann nicht ausschlägt. Und (angenommen!) man hätte was gegen die SPD – sollte man dann auch keine Anzeigen mehr von denen rein nehmen? Die haben ja auch mindestens einen Querkopf in ihren Reihen…

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