Fast identischer Artikel und falsche Uhrzeit

Die Wuppertaler Redaktion der Westdeutschen Zeitung (WZ) taugt langsam zur unendlichen Geschichte hier im wupperblog. Schon oft haben wir über Recherchemängel, unüberlegte Überschriften, Flüchtigkeitsfehler, handwerkliche Mängel und vieles andere mehr berichtet. Und heute soll nun wieder ein weiteres Kapitel hinzu kommen. Und zwar eines, das in Kombination die Schnelligkeit der Online-Redaktion sowie die unnachahmliche Quellensuche der einzelnen Mitarbeiter mit einander verbindet. Denn es scheint inzwischen in Mode zu kommen, aus anderen Quellen einfach Inhalte zu übernehmen, das ein bisschen aufzuhübschen und dann mit falschem Datum online zu stellen.

Im vorliegenden Fall handelt es sich um den Sachverhalt, dass eine 68-Jährige am Mittwochmorgen, 18. August 2010, auf der Sambatrasse zwischen Küllenhahn und dem Wuppertaler Zoo sexuell belästigt wurde. Dies wurde der Redaktion der Cronenberger Woche (für die ich unter anderem freiberuflich tätig bin) am Donnerstagmittag, 19. August 2010, zugetragen. Anschließend fragten wir natürlich bei der Pressestelle der Polizei nach, holten weitere Informationen ein und brachten die Nachricht am Freitag, 20. August 2010, auf der Titelseite.

Da ich allerdings diese Information ebenso für den wupperguide – zwischenzeitlich hatte die Polizei auch eine ots-Meldung herausgegeben, zahlreiche Redaktionen hatten also diese Nachricht erhalten – nutzen konnte, stellte ich einen im Vergleich zur CW-Meldung leicht abgewandelten Artikel beim wupperguide online. In beiden Artikeln zitierten wir einen Polizeisprecher namentlich: “Trotz des Vorfalls befindet Kriminalhauptkommissar Alexander Kresta von der Pressestelle der Wuppertaler Polizei die Sambatrasse für sicher: ‘Sie ist kein Problemfeld, solche Taten können überall passieren.’ Bislang sei kein ähnlicher Fall auf dem beliebten Rad- und Fußweg bekannt, zudem würden regelmäßig Fahrradstreifen der Polizei über die Sambatrasse fahren.”

Das hielt die Redaktion der Westdeutsche Zeitung allerdings nicht davon ab, einen fast ähnlichen Artikel zu bringen. Die meisten Informationen standen in der Pressemitteilung, klar. Im WZ-Beitrag wurde dann die Schönheit der Sambatrasse noch ein wenig in den Vordergrund gestellt (“Sie gehört, gerade im Sommer, zu Wuppertals beliebtesten Spazier- und Radwegen: die Sambatrasse”) und ein wenig dramatisiert (“Auf ihr hat am Mittwoch eine 68-jährige Wuppertalerin einen wahren Alptraum erlebt…”) Der Abschluss des WZ-Artikels ist dann jedoch ähnlich der Artikel in CW: “Der Überfall vom Mittwoch war die erste derartige Tat auf der Sambatrasse, seit diese 2007 als Rad- und Fußweg fertiggestellt wurde. Doch auch künftig, so Polizeisprecher Alexander Kresta, bräuchten Spaziergänger und Radler dort keine Angst zu haben. Dafür will die Polizei unter anderem mit regelmäßigen Fahrradstreifen auf der Strecke sorgen. ”

Nachdem ich allerdings am Donnerstagabend schauen wollte, wie die WZ auf diese Meldung reagiert hat, fand ich gegen 21.00 Uhr keinen Artikel zu diesem Fall online. Erst am Freitagmorgen war der Sambatrassenartikel zu lesen. Datiert ist er allerdings auf den “19. August 2010 – 18:50 Uhr” und wurde auch erst um 11.06 Uhr am Freitagmorgen via twitter bekannt gemacht. Mit den Uhrzeiten scheint es die Westdeutsche Zeitung im Tal also wohl nicht ganz zu haben. Aber Hauptsache, selbst ehemalige WZ-Mitarbeiterinnen können die Kollegen des wupperguide bei offen eingestandenen Fehlern und transparenter Vorgehensweise als “Hobby-Journalisten” betiteln. Die Arbeitsweise in der WZ-Redaktion Wuppertal ist jedoch oftmals nicht besser. Sogar “von oben“.

Übrigens: Im Telefonat mit dem Polizeisprecher kamen wir auch darauf zu reden, dass man mit solchen Fällen sensibel umgehen müsse. Nicht nur von Seiten der Polizei. Daher haben wir uns bei CW und wupperguide auch darauf beschränkt, die Fakten zu nennen, eine Zeugenaufruf zu starten und die Spaziergänger und Fahrradfahrer auf der Sambatrasse nicht in Panik verfallen zu lassen, weil dort mal etwas passiert ist. Aber genau darauf hat die WZ es wohl mit ihrer Nachberichterstattung abgesehen. Wenn einem im Sommerloch keine besseren Themen einfallen und alle Freibäder und Schwimmbäder (welch Parallelen) abgeklappert sind, dann muss man nicht wie im Fall Google Street View mit der Angst spielen!

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