Film gucken, Kreditkarte holen, Musik kaufen

Wenn die Stadtsparkasse Wuppertal zum kostenlosen Film-Gucken in den größten Kinotempel im Tal einlädt, dann hat das natürlich einen Haken. Man ist entweder zuvor mit seinem Team Schulstadtmeister geworden und darf sich nach der Siegerehrung einen aktuellen Blockbuster anschauen – oder es handelt sich um eine simple Werbeveranstaltung für junge Leute, um ein neues Musikportal entsprechend zu promoten.

Ein wenig hilflos sahen die jungen und älteren Mitarbeiter der Stadtsparkasse schon aus, als die geladenen Gäste sich vor dem Kinosaal 1 im Elberfelder CinemaxX versammelten. Wen hatten sie sich da denn alles eingeladen? Überaus freundlich traten sie einem entgegen, aber der Großteil der Besucher war nur zum Gucken des Filmes gekommen, das merkte man. Und zum „Abstauben“. Denn natürlich hatte man sich nicht lumpen lassen und Popcorn, Süßigkeiten und Getränke bis zum Abwinken bereitgestellt. Das gipfelte dann darin, dass sich manche fünf Flaschen Bier-Mix-Getränk in den Kinosaal mitnahmen und die am Eingang bereitgelegten Schokoriegel bereits von dem ersten Viertel der Besucher derart „geplündert“ waren, dass für die anderen kaum mehr etwas übrig blieb. Gutes Benehmen haben manche junge Wuppertaler wohl nie gelernt. Es kostet nix, also nehme ich so viel, wie ich in meine Finger bekomme – ein trauriger und durchaus weit verbreiteter Trend…

Aber auch das Vorgehen der Stadtsparkasse Wuppertal war nicht gerade optimal. Stellte man sich zu Beginn der „Werbeveranstaltung“ vor dem Film („Prince of Persia: Der Sand der Zeit„) noch als das nette und vertrauenswürde Unternehmen mit ganz vielen zufriedenen Kunden und hohen Umsätzen vor, das mal eben drei nicht gerade preisgünstige iPods unter den Anwesenden verloste, änderte sich dies mit dem zweiten Referenten schlagartig. Man wollte den zuhörenden Kunden und deren Begleitern eine Kreditkarte „andrehen“. Okay, Werbung für Film ist legitim. Dass es statt der goldenen aber auch eine deutlich günsitgere silberene Kreditkarte gibt, die für viele junge Erwachsene vollkommen ausreichend sein dürfte (wenn überhaupt notwendig), verschwieg man „zufällig“.

Aber eben eine Kreditkarte der Sparkasse ist notwenig, um das neue Musikportal „soundaccount“ nutzen zu können. Gemeinsam mit der Universal Music Goup hat man dieses nun aufgezogen. Musik mit Kreditkarte der Sparkasse kaufen, das wäre vielleichte in interessanter Deal. Wenn die Abwicklung nicht so schwierig wäre… Während man bei iTunes, musicload, Amazon und Co. sich nur online registrieren braucht, muss man beim „soundaccount“ erstmal eine Kreditkarte der Sparkasse. Hat man die, muss man sich für das Online-Portal mittels eines Zusatzvertrages erst freischalten lassen. Darüber hinaus hat man auch nur Zugriff auf Lieder, die von Universal verlegt werden. Alle Songs anderer Labels können nicht gekauft werden. Da helfen auch nicht die zehn kostenlosen Downloads, die man für eine „geringe Gebühr“ pro Monat erhält. Wie hoch diese Gebühr ist, muss man bei der Sparkasse erfragen. Auf dem Online-Musikportal findet man eine solche Angabe nicht.

Liebe Sparkasse, man muss es seinen Kunden doch nicht doppelt und dreifach schwer machen. Oder? Bei anderen Portalen kommt man ohne versteckte „Grundgebühr“ schneller an Musik. Da helfen auch keine exklusiven Verlosungen, Musik-News und Videos, die man so oder ähnlich auch auf anderen Portalen findet. Und ein paar Euro beim Fanartikel-Kauf kann man mit ein bisschen Glück auch woanders sparen. Und so ein cooler Slogan wie „Das extralaute Musikpaket“ hinterlässt auch einen gewissen Beigeschmack: Es muss nicht immer noch lauter sein! Dank iPod, Walkman und Co. sind viele Kids doch heute schon schwerhörig. Junge Erwachsene, die sich eine Kreditkarte leisten können, sind nicht unbedingt vorsichtiger. Und wenn man dann noch in seinen Werbeflyer dazu aufruft, möglichst viel Geld auszugeben („…und dann so oft wie möglich mit der soundaccount-Karte bezahlen. Denn jeder Einkauf ist ein zusätzliches Los und erhöht die Gewinn-Chancen.“) – und das kann man mit Kreditkarte ja besonders gut, denn man sieht ja nicht sofort, wieviel Geld man noch auf dem Konto hat – ist das nach den Auswirkungen der Wirtschaftskrise nicht vertrauenserweckend. Da kann sich die Stadtsparkasse Wuppertal noch so sehr als regionales Kreditunternehmen hinstellen, das nicht jeden Hype am Bankenhimmel mitmacht und in unsichere Anlagen investiert…

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Kommentare

      Marcel
      23.05.2010, 21.59 Uhr

      Finde soetwas immer höchst dubios. Die sollen mal schön Geld bunkern und sich nicht auf solche fachfremde Gebiete begeben. Dann ist das Geld vielleicht auch sicherer..

      Weiß ja nicht, wie jung die jungen Erwachsenen dort waren. Aber bis 29 Jahre hat die Stadtsparkasse Wuppertal ja sogar noch die nochmal preiswertere MasterCard X-Tension.

      Marcus Müller
      25.05.2010, 15.26 Uhr

      Stimmt, aber diese fünf Euro mehr pro Jahr machen den Braten letztlich nicht ganz so „fett“, wie bei der goldenen Kreditkarte.

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