WZ glänzt wieder mit Recherchemängeln

Die Westdeutsche Zeitung (WZ) mit ihrer Wuppertaler Redaktion bekleckert sich ja in den vergangenen Tagen nicht gerade mit Ruhm – zumindest in ihrer Online-Ausgabe. Mehrfach haben wir hier im wupperblog schon auf klar erkennbare Fehler und deutliche Mängel in der Berichterstattung hingewiesen. Doch im April 2010 scheint es bei der Online-Redaktion der WZ in Wuppertal drunter und drüber zu gehen.

Da wäre zum Beispiel ein Brand in einem Mehrfamilienhaus am 18. April 2010. Die WZ berichtet korrekt, dass dieses Vorkommnis in der Gutenbergstraße in Wuppertal stattfand. Allerdings verlegt sie den Brandort hinsichtlich des Stadtbezirkes ein wenig: Statt richtigerweise am Arrenberg soll die Gutenbergstraße plötzlich in der Varresbeck liegen. Da ist ja doch schon ein Stückchen dazwischen. Das ist ja fast schon so, als verlege man die Elberfelder Espenstraße in den Stadtteil Ronsdorf.

Dass man es bei der WZ nicht so ganz mit den Ortskenntnissen hat, das zeigte auch eine Meldung der Wuppertaler Polizei am Montag, 19. April 2010. Demnach sollen unbekannte Täter in einer Firma an der Hahnerberger Straße hochwertige Firmenfahrzeuge entwendet haben. Hahnerberger Straße, da steckt doch der Ortsteil, wo das passiert ist, fast schon drin. Wer da „Hahnerberg“ schreiben würde, der hätte gute Chancen, dass das stimmen könnte. Auch „Cronenberg“ wäre noch zu vertreten, da der Hahnerberg offiziell zum Stadtteil Cronenberg gehört. Geschenkt. Aber warum schreibt die WZ dann in ihrem Onlinebericht von einem „Büro der Firma auf Küllenhahn„? Zwischen dem Hahnerberg und Küllenhahn liegt doch sogar noch die kleine, unscheinbare – aber durch ein imposantes und stadtweit bekanntes Müllheizkraftwerk durchaus oft erwähnte – Ortschaft Korzert dazwischen.

Als dann noch am Montag, 19. April 2010, die Stadt Wuppertal eine Presseinformation herausgibt, in denen man einen Termin absagt, bei dem eine Gruppe von Austauschschülern aus sechs europäischen Ländern der Friedrich-Bayer-Realschule (FBR) im Barmer Rathaus begrüßt werden sollte, ist das natürlich eine ganze Onlinemeldung wert. Schließlich heißt es in der Info des städtischen Presseamtes so schön: „Aufgrund der Aschewolke war es den Schülern und Lehrern aus den sechs europäischen Ländern nicht möglich anzureisen.“ Und da muss die WZ natürlich sofort mit auf den Zug aufspringen! Wenn es sonst nichts zu berichten gilt, dann muss halt ein ferner Vulkan einmal herhalten, der halb Europa – aber kaum Wuppertal – in Atem hält. „Da der Flugverkehr aufgrund der Aschewolke noch immer ausgesetzt ist, muss der Austausch nun komplett verschoben werden„, weiß die Wuppertaler WZ-Redaktion zu berichten. Wie man aus einer Terminabsage an die Presse eine „große Information“ basteln kann. Ob die WZ im September darüber berichtet, wenn die Austausschüler ihren Besuch nachholen wollen?

Und dann wäre da noch der Raubüberfall auf einen Juwelier an der Friedrichstraße in Elberfeld. Da war zufälligerweise der WZ-Fotograf bei der Verhaftung der vier Tatverdächtigen in der nahegelegenen Karlstraße direkt vor Ort und knipste ein paar Fotos. Kein Problem, wenn man auf diesen dann wenigstens die Verhafteten unkenntlich machen würde, wie es auch die Ziffern 8, 9 und 13 des Pressekodex verlangen. Dass ein Verhafteter verfolgt und daraufhin von der Polizei in Gewahrsam genommen wurde, berechtigt ein Medium noch nicht, ein Foto (das wir hier absichtlich nicht verlinken, um die darauf abgebildete Person nicht weiter an den Pranger zu stellen) von ihm online zu stellen, auf dem er gut von der Seite erkennbar von Polizeibeamten abgeführt wird. Und dieses dann noch mit einer hämischen Bildunterschrift („Ein jähes Karriereende erlebte dieser junge Mann am Samstag an der Karlstraße. Nur wenige Minuten nachdem er mit seinem Komplizen ein Juweliergeschäft überfallen hatte, verhafteten ihn Polizisten.“) zu versehen, spricht nicht gerade für eine Achtung der persönlichen Ehre eines JEDEN Menschen. Nur weil er eine Straftat begangen hat, ist er noch lange keine Person des öffentlichen Zeitgeschehens und darf ohne Unkenntlichmachung zur Schau gestellt werden. Er wird nicht sehr begeistert sein, dass er nun weltweit in dieser Situation zu sehen ist.

Langsam kann man echt Zweifel bekommen, ob die Wuppertaler Ausgabe der Westdeutschen Zeitung irgendwann noch mal seriöse Berichterstattung abliefert. Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Ganz klar. Aber in einem solchen Ausmaß und mit einer derartigen Ortsunkenntnis darf es einem Lokalmedium nicht passieren. Eine Person auf einem Foto unkenntlich zu machen, den richtigen Ortsteil für ein Geschehen herausfinden, das ist eine Sache von noch nicht einmal zwei Minuten zusätzlicher Arbeit bzw. Recherche. Es ist ja bei der großen Medienfülle (Vorsicht, Ironie!) in Wuppertal nicht gerade so, dass sich die WZ online diese zwei Minuten nicht durchaus nehmen könne…

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Kommentare

      psychoMUELL
      28.04.2010, 10.13 Uhr

      Fotos auf denen man Verhaftete oder Personen deutlich erkennen kann, geht überhaupt nicht, schon gar nicht von einer Zeitung – ohne Einwilligung!

      Singlemann
      19.05.2010, 13.16 Uhr

      Die WZ ist ja eh grottenschlecht und parteiisch und berichtet nicht unabhängig. Aber trotz ihrer rechten Berichterstattung wurde die CDU/FDP Koalition abgewählt.

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