Eine außergewöhnliche Stadtführung

Eine Sehenswürdigkeit: Der Telekom-Shop in der PoststraßeDass Touristen nach Wuppertal kommen, das können die Wuppertaler selbst kaum glauben. Aber die Schwebebahn zieht doch teilweise noch viele Auswärtige ins Bergische Land, ebenso wie der Zoo oder andere schöne Fleckchen. Wer das Tal „erleben“ möchte, für den gibt es einige Sehenswürdigkeiten, die man abklappern sollte. Keinesfalls verlassen darf man sich bei den Planungen allerdings auf die „City Tours“ von Google Labs.

Wer dort eine eintägige Tour durch das Tal machen möchte, wird zunächst einmal nur auf den Stadtteil Elberfeld beschränkt. Okay, außerordentlich schlimm ist das ja nicht. Schließlich ist Elberfeld die heimliche City von Wuppertal und dort gibt es ja durchaus auch einiges zu sehen. Warum also nicht. Barmen, Beyenburg, Cronenberg, Langerfeld, Ronsdorf, Vohwinkel und Co. kann man ja auch an anderen Tagen noch abklappern, wenn man genügend Zeit mitbringt. Sofern man das natürlich will…

Um 10.00 Uhr soll man nun also auf der Bundesallee mit seinem Rundgang in Richtung Hauptbahnhof starten. Okay, mitten auf einer einspurigen Hauptverkehrsstraße ohne Bürgersteig mit seiner City-Tour zu beginnen, ist vielleicht ein bisschen komisch. Aber da als erstes der Hauptbahnhof angesteuert werden soll, ist das okay. Ein Großteil der Gäste kommt mit der Bahn ins Tal. Und wenn der Zug Verspätung hat, dann ist man „pünktlich“ um 10.15 Uhr da. Kein Problem. Warum man dann direkt zu Beginn aber eine gute Stunde im Hauptbahnhof verweilen soll, das ist durchaus rätselhaft. Der Baubeginn des Döppersberg liegt doch noch in der Zukunft. Und bis auf ein bisschen Gastronomie, Zeitschriften, Blumen und der einen oder anderen Plauderei mit der Bundespolizei gibt es kaum etwas zu sehen in Deutschlands „schönstem“ Bahnhof.

Als zweite Etappe steht das „Steigenberger Hotel“, besser bekannt unter dem Namen „Kaiserhof“ oder „InterCity-Hotel“ auf dem Programm. Dort kann man sich durchaus ab 11.30 Uhr ein Zimmer nehmen oder in der Bar verweilen, schließlich steht um 12.45 Uhr erst der nächste „Termin“ an. Und der liegt direkt gegenüber: Denn dann geht es zum Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Aber Achtung: Man soll hier die Öffnungszeiten beachten. Gut möglich, dass alle Mitarbeiter um diese Uhrzeit schon in die Pause „ausgeflogen“ sind.

Weiter geht die „Tour de Elberfeld“ um 14.00 Uhr am Rex-Theater. Hier fehlt bei Google allerdings der Hinweis auf die Öffnungszeiten, leider. Was aber nicht schlecht wäre, das Rex hat nämlich meist erst so um 19.00 Uhr geöffnet. Wenn man sich dort also nun vor verschlossenen Türen die Beine in den Bauch steht, kann man das Treiben auf dem Parkplatz auf dem Platz am Kolk beobachten (eine echte Sehenswürdigkeit!) oder sich schon mal auf den Weg zur nächsten Station machen. Um 15.15 Uhr sollte man nämlich am Von-der-Heydt-Museum am Turmhof sein. Okay, der Monet ist weg. Und bis zum 01. April 2010 sollte man Google City Tour auch Zeit lassen. Denn ansonsten steht man auch dort vor geschlossenen Türen. Aber in der Nähe gibt es ja zahlreiche Cafés, da wird einem gewiss nicht langweilig. Der wievielte Kaffee wäre das jetzt schon?

Wenn man sich dienstags oder donnerstags auf die Reise begibt, hat man beim nächsten Stopp ein bisschen mehr Glück. Denn um 16.30 Uhr steht die Stadtsparkasse am Islandufer auf dem Programm. Architektonisch sicherlich etwas Außergewöhnliches und wenn man sich vorher angemeldet hat, kann man vielleicht auch mal auf die 19. Etage des Hochhauses und einen Blick über das Tal genießen, bevor es dann um 17.45 Uhr weiter geht. Zurück zur Poststraße, genauer gesagt in den dortigen Telekom-Shop (siehe Foto). Eine ganze Stunde lang kann man sich dort zwischen iPhones, Festnetz-Telefonen, Entertain-Paketen und Elektronikzubehör die Besonderheiten Wuppertals anschauen. Die Auflistung bei den Sehenswürdigkeiten von Google City Tours erklärt vielleicht, warum dort die Warteschlangen immer besonders lang sind. Ob die Mitarbeiter des Telekom-Ladens wissen, dass sie eine echte „Sehenswürdigkeit“ in Wuppertal sind? Google sei Dank!

Vielleicht sollte sich der eine oder andere Wuppertaler mal überlegen, ob er seinen Widerspruch gegen eine Veröffentlichung seines Hauses bei Google Street View nicht doch wieder zurücknimmt. Der Service ist zwar für Deutschland noch nicht verfügbar, aber er kommt wohl bald. Und wer weiß, vielleicht ist das Haus, das in Street View nicht angezeigt werden darf, bei City Tours eine „Sehenswürdigkeit“. Ob man dann noch mal irgendwann eine ruhige Minute hat..?

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