Studenten streiken, manche hören nicht zu

Studenten kämpfen für bessere StudienbedingungenNachdem Ähnliches bereits an einigen anderen Universitäten in Deutschland und im europäischen Ausland geschehen war, besetzten am Mittwochabend, 18. November 2009, auch Studenten der Bergischen Universität Wuppertal einen Hörsaal in ihrer Bildungseinrichtung. Unter dem Motto: „Wir haben jetzt auch die Schnauze voll“ machten sie am darauffolgenden Tag mit Flugblättern bei ihren Kommilitonen „Werbung“ für ihre Aktion.

In einer Pressemitteilung stellten die Hörsaal-Besetzer, die sogar von der Universitätsleitung geduldet werden, dabei heraus, dass es ihnen nicht darum geht, Vorlesungen im Hörsaal 21 ausfallen zu lassen: „Um keine Veranstaltungen zu blockieren, wurden bereits die Dozenten kontaktiert, die morgen in diesem Hörsaal sind, um mit ihnen zu kooperieren: Während der Besetzung können die Vorlesungen stattfinden und die Dozenten werden gebeten, den Bildungsstreik zu thematisieren und mit uns in einen Dialog treten. In der Zeit, in der der Hörsaal nicht genutzt wird, wird ein Programm mit offenen Plenen und Diskussionen stattfinden. Dazu sind alle Dozenten und Studenten eingeladen“, heißt es dort. Im Klartext: Vorlesungen finden entweder dort statt (auch wenn dann dort der Bildungsstreik angesprochen wird) – oder sie werden in andere Räumlichkeiten verlegt.

Klar, dass eine solche Besetzung nicht nur Befürworter findet. Die erste Besetzung scheiterte zwei Tage zuvor bei einer Abstimmung an der Mehrheit, die nicht für eine solche Maßnahme war. Und auch so mancher Dozent oder Student wird sich geärgert haben, dass Zeit verloren ging, weil er zum „Ausweichraum“ laufen musste. Aber ein solcher Zeitverlust ist zu verschmerzen, da gibt es wahrlich Schlimmeres.

Warum dann aber der Vorsitzende der Jungen Union (JU) Wuppertal, Markus Stranzenbach, in einer Pressemitteilung (pdf) ohne sinnvolle Argumente gegen die Streikenden schießt, ist unverständlich. Stranzenbach wird dort mit den Worten zititert: „Abermals zeigen sich Arroganz und Ignoranz einiger Studenten. Mitnichten repräsentieren sie den Großteil der Studierenden. Dennoch maßen sie sich an, Hörsäle zu besetzen. Somit stören sie empfindlich den ordnungsgemäßen Ablauf der Lehrveranstaltungen der lernwilligen Studenten. Solidarität ist keine Einbahnstraße; protestiert werden sollte dort, wo es niemanden einschränkt.“

So, wie sich der werte Herr Stranzenbach die Welt vorstellt, ist es aber nicht. In Deutschland darf jeder seine Meinung sagen. Auch das Demonstrationsrecht ist ein wichtiges Gut in einer Demokratie. Oder würde sich der Wuppertaler JU-Vorsitzende nicht auch wundern, wenn er an einer Demonstration auf den Straßen im Tal (oder sonst wo) teilnehmen würde und die Autofahrer aufschreien und ihn kritisieren würden, weil er den ordnungsgemäßen Ablauf des Straßenverkehrs stört? Wäre diese Demonstration dann nicht legitim? Und wenn die Universität von ihrem Hausrecht kein Gebrauch macht, dürfen die Studenten dann auch nicht in einem kleinen Hörsaal protestieren?

Es mag eine kleine Gruppe sein, die sich an der Hörsaal-Besetzung beteiligt. Und man muss die Besetzung eines Hörsaals auch nicht unbedingt gutheißen. Aber bevor man zu irgend etwas Stellung bezieht, sollte man sich über den Sachverhalt informieren und nicht einfach um des Aufruhrs willen sich zu Wort melden. Aber vielleicht ist es ja nur die Ignoranz vor dem Dialog mit den streikenden Studenten…

Mit Bildmaterial von Katharina Malik (wupperguide)

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