Bei der WZ gehen die Uhren anders (2)

Journalist Hardy Prothmann, Betreiber des heddesheimblogs bringt es eigentlich kurz und prägnant auf dem Punkt. In einem Interview mit dem Medien-Portal Meedia antwortet Prothmann auf die Frage, was Lokalzeitungen in ihrer regionalen Berichterstattung falsch machen würden: „Sie haben die falsche Haltung. Die meisten Zeitungen sind Monopolisten. Genauso überheblich und gleichzeitig langweilig und insgesamt satt und lustlos ist ihre Berichterstattung. Und das übertragen sie 1:1 ins Internet. Außerdem wird geklüngelt, was das Zeug hält. Die Lokalzeitung von früher hat entschieden, was wie stattfindet oder auch nicht. Durch das Internet ist dieses extreme Gatekeeping hinfällig.“

Dass es in Wuppertal nur eine große Tageszeitung gibt, die die Spielregeln nach ihren Wünschen bestimmt, ist ja hinlänglich bekannt. Einzig der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und Radio Wuppertal (aus dem gleichen Hause wie die WZ) können der Westdeutschen Zeitung bei tagesaktueller Berichterstattung – personell gesehen – dagegen halten.

Dass die Internet-Präsenz der WZ allerdings noch stiefmütterlich behandelt wird, das kann man fast tagtäglich erleben. Zwar wird auch online inzwischen aktuell bei neuen Nachrichten reagiert, eine wirkliche Pflege der Inhalte wird aber nicht betrieben. Das Motto „Print first“ scheint beim General-Anzeiger weiterhin noch vorzuherrschen, auch wenn man sich sonst gerne Mühe gibt, seine Webseite aufzuhübschen und mit zahlreichen Fotogalerien herauszuputzen.

Dass bei der WZ die Uhren manchmal ein bisschen anders gehen, das haben wir ja schon einmal im Jahr 2008 an einem aktuellen Beispiel aufgezeigt. Und auch in Sachen Studentenprotest an der Bergischen Universität Wuppertal sind die Lokalredakteure aus dem Tal wieder einmal ihrer Zeit voraus. Vom Plenum im besetzten Hörsaal 21 am Donnerstagnachmittag, 19. November 2009, berichtet ein Artikel von Manfred Görgens, der laut Zeitangabe am selben Abend noch um 19.34 Uhr ins Online-Angebot der WZ eingestellt wurde. Dieser beginnt mit der Subheadline: „Etwa 250 Studierende der Bergischen Uni fanden sich gestern zusammen, um ihre Forderungen vorzutragen.“ Fand das Plenum, über das berichtet wird (und von dem bereits drei Stunden nach Beginn „endlich Fotos“ da waren), bereits am Mittwoch statt? Nein, vielmehr hat Hardy Prothmann Recht: Die WZ bestimmt, wann im Tal was passiert ist.

Es ist schade, dass man in der Wuppertaler Redaktion der Westdeutschen Zeitung Artikel, die eindeutig für die Print-Ausgabe geschrieben sind, nicht wenigstens bei Online-Veröffentlichung entsprechend anpasst. Es muss ja kein komplett anderer Artikel sein, was man sich wohl aus personellen, zeitlichen und daher auch finanziellen Gründen nicht leisten kann. Aber wenigstens mal drüberlesen, was da geschrieben steht, und im Notfall den Artikel anpassen sollte ein Online-Redakteur schon noch. Vielleicht wäre dann nicht nur der Zeit-Fehler aufgefallen, sondern auch die Überschrift. Die hat nämlich fast die gleiche Aussagekraft wie die Subheadline: „Studenten tragen ihre Forderungen vor“

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Kommentare

      Thomas Schürmann
      20.11.2009, 15.23 Uhr

      Das ist hervorragend zusammengefaßt. Vor allem Lieblosigkeit und Desinteresse kann man der WZ eigentlich ständig vorwerfen.

      Im anderen Kontext schafft es die WZ allerdings nicht nur vorrauseilend zu schreiben, sondern auch immer unsäglich hinterherzuhinken. Dabei offenbart sich – z.B. wie beim städtischen Sparpaket für Wuppertal, dass man in der WZ erst anfängt zu schreiben, wenn es für den Druck relevant ist. 8 Stunden dauerte es, bis überhaupt ein paar Details zu den Sparplänen verlöffentlicht wurden.

      In einer Pseudo-Adhoc-Meldung vom Nachmittag gelang es nicht einmal zum PDF auf Wuppertal.de zu verlinken.

      Jetzt wird eine Klickstrecke zum Sparpaket veröffentlicht. Keine übersichtliche Darstellung.

      Das spricht für sich.

      Marcus Müller
      20.11.2009, 16.46 Uhr

      Die Pressekonferenz zum Haushaltssicherungskonzept (HSK) für die Jahre 2010 bis 2014 hat am Dienstag ja auch erst um 15.15 Uhr begonnen. Dort wurde das Sparpaket dann ja „offiziell“ von OB Jung und Kämmerer Slawig vorgestellt. 😉

      Stefan Gemba
      22.11.2009, 10.41 Uhr

      Zu diesem Thema möchte ich noch einen anderen Aspekt hinzufügen. Ab und zu suche ich mir eine Veranstaltung oder ähnliches heraus um darüber zu berichten. Die Auswahl erfolgt nach meinen Interessen, oder nach dem Gesichtspunkt, dass ein Bericht für die Leser interessant sein könnte.
      Dabei komme ich selbstverständlich mit den Verantwortlichen ins Gespräch. Dort wird es dann als sehr angenehm und höflich empfunden, dass ich vorher telefonisch nachfrage, ob ich fotografieren, und wann ich vorbei kommen darf. Ich stelle mich dann ordentlich vor, frage nach Details und nehme mir genügend Zeit, um keine Hektik zu verbreiten.
      Dies ist aber anscheinend nicht die Regel. Im Gegenteil. Mir wurde mehr als einmal berichtet, dass viele „professionelle“ Berichterstatter wie ein Überfallkommando einfallen, im Schnelldurchgang durch den Event hetzen, und im Nachhinein nicht wirklich objektiv ihre Fotostrecke/Bericht verfassen. Nach Hintergrundinformationen wird nur spärlich gefragt.

      Bei einigen Menschen hinterlässt dies einen bitteren Beigeschmack. Dieses Auftreten zeigt auch die Arroganz. Ich bin von „XYZ Medien“ macht Platz ich komme. Genau dort liegt die Chance der unabhängigen Blogger. Nach meiner Erfahrung werden wir sehr gerne eingeladen und bekommen auch die Möglichkeit tiefer in die Berichterstattung einzusteigen. Somit entsteht ein gutes Gegengewicht zum Einheitsbrei der „offiziellen“ Medien.

      Noch ein Beispiel, was mir vor ein paar Jahren passiert ist. Ich arbeitete zu der Zeit in einem bekannten Einzelhandelsgeschäft. Auf einmal flog während des laufenden Kundenverkehrs die Türe auf, und einem Rollkommando gleich stürmte ein gesamtes Kamerateam in den Laden. Ich bekam weder einen Presseausweis, noch sonst etwas gezeigt. Es stellte sich niemand vor. Dafür hielt man mir sofort die Kamera vor die Nase und fragte mich, was die Leute am Valentinstag alles kaufen.
      Auf meine Bitte die Kamera auszuschalten und sich demnächst doch anzumelden, wurde ich sehr rüde behandelt. Man sei schließlich von „XYZ BlaBla“, wir hätten doch nichts zu verstecken, und man sei ja nicht irgendwer. Es wäre ja auch eine Werbung für unser Geschäft. Darauf hin habe ich den ganzen Pulk raus geschmissen. Wenn jeder so mit den Herrschaften verfahren würde, käme es dort vielleicht zu einem Umdenken.

      Frank
      24.11.2009, 12.18 Uhr

      Dieses WZ Monopol ist sehr ärgerlich. Ich erinnere mich noch als die NRZ hier in Wuppertal eine Lokalredaktion hatte.

      SuMu
      27.11.2009, 06.15 Uhr

      Als Alternative könnte sich vielleicht die Wuppertaler Rundschau bewerben und ihr Angebot ausbauen …

      Marcus Müller
      27.11.2009, 12.39 Uhr

      Die Wuppertaler Rundschau kommt doch aus dem gleichen Hause wie die WZ, da wird kein künstlicher Konkurrenzkampf entstehen…

      SuMu
      27.11.2009, 15.26 Uhr

      oh danke für die Info, wusste ich gar nicht.

      Michael Matuschak
      28.11.2009, 17.10 Uhr

      Vielleicht sollte man in Wuppertal eine Online-Zeitung gründen. Das Monopol der WZ und die daraus resultierende, zum Teil eingefärbte, Berichterstattung ist kaum zu ertragen. Zudem kommt, das die WZ offensichtlich nicht viel von den Bürgern und Lesern in dieser Stadt hält. Siehe Schließung der beiden Geschäftsstellen.

      Eisenbahnblog
      01.12.2009, 23.42 Uhr

      Aus o.g. Gründen habe ich die WZ schon lange nicht mehr im Abo. Die „eingefärbte“ bzw. einseitige Berichterstattung war auch bei mir der Grund.

      Eine Online-Zeitung wäre schön, klar, aber wie sollte man sie realsieren? Wupperguide/Wupperblog sind da schon auf dem richtigen Weg, aber eigentlich bräuchte man dafür dann nicht nur ehrenamtliche Leute, sondern ein paar Festangestellte. Und wer soll das bezahlen?

      Eisenbahnblog
      07.02.2010, 15.55 Uhr

      Bei diesem Thema hätte ich eigentlich mit mehr Interesse gerechnet. Schade eigentlich

      wupperblog.de » Fast identischer Artikel und falsche Uhrzeit
      22.08.2010, 23.03 Uhr

      […] zur unendlichen Geschichte hier im wupperblog. Schon oft haben wir über Recherchemängel, unüberlegte Überschriften, Flüchtigkeitsfehler, handwerkliche Mängel und vieles andere mehr berichtet. Und heute […]

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