ÖPNV-Report: Immer mehr zu früh dran

Die Wuppertaler Busse kommen immer früherIm Juli 2009 hatte marzl in seinem ÖPNV-Report von einem „historischen“ Tief berichten können. Damals waren mit 46,60 Prozent so wenige Busse zu früh von den Haltestellen abgefahren, wie noch nie zuvor seit Beginn der Zählungen im Januar 2009. Dafür waren 31,50 Prozent pünktlich gestartet, ein Wert, der sich nach einem großen „Tal“ rund um den Fahrplanwechsel der WSW im Juni den Anfangswerten wieder annäherte.

August: Gleich zweimal die Tür „vor der Nase zugemacht“

Im August 2009 „erholten“ sich die Werte im Rahmen der stichprobenhaften Zählung allerdings wieder. Die Zahl der pünktlichen Busse ging von 31,50 auf 27,84 Prozent zurück, während nun statt 46,60 wieder 53,01 Prozent der Busse der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) zu spät von den Haltestellen abfuhren. Zu früh dran waren statt 21,90 nun nur noch 19,15 Prozent, also ein ähnliches Niveau wie im Vormonat.

Dass manche Busfahrer auch Mitschuld am unpünktlichen Abfahren sind, zeigte dabei besonders ein Erlebnis an der Elberfelder Morianstraße am 04. August 2009. Dort hatte der Busfahrer der Linie CE62 in Richtung Ronsdorf die heraneilenden Fahrgäste noch gesehen, allerdings eine Minute zu früh bereits die Tür zu gemacht und seine Fahrt fortgesetzt. Auf Nachfrage am Hauptbahnhof (eine Station später) gab es dann als Antwort, dass er auf die Fahrgäste gewartet hätte. Aber woher hätte man das wissen sollen, wenn der Bus an der Morianstraße „weg“ war? Am 30. August 2009 konnte eine ähnliche Situation beobachtet werden: Hier fuhr ebenfalls der Fahrer des CE62 nach Ronsdorf überpünktlich ab – und ließ Fahrgäste am Hauptbahnhof stehen, denen er die Tür im wahrsten Sinne des Wortes „vor der Nase zugemacht“ hatte.

Der Fahrer der 603 hatte am Schulzentrum Süd am 19. August 2009 viel zu lange Pause gemacht – und so eine Verspätung von vier Minuten direkt an der Starthaltestelle „kassiert“. Wer da seinen Anschluss noch bekommen wollte, hatte schlechte Karten. Den Negativ-Rekord hielt jedoch die Linie 640 im August: Nachts um 00.30 Uhr war sie kurz vor der Endhaltestelle gleich vier Minuten zu früh dran. Schließlich standen an den Haltestellen keine Fahrgäste mehr (oder noch nicht?), ein Bleifuß sowie die Aussicht auf frühen Feierabend taten zudem ihr übriges.

September: Rasende Busfahrer und langsame NachtExpresse

Während im September 2009 wieder über die Hälfte der stichprobenhaft erfassten Busse (51,95 Prozent) zu spät an den Haltestellen im Tal losfuhren, stieg der Wert der zu frühen Busse auf ein Rekordniveau: Mit 23,38 Prozent fuhren so viele Linien wie noch nie zuvor seit Beginn der Zählung eher ab. Pünktlich waren hingegen nur noch 24,68 Prozent.

Unter anderem konnten zwei „Spitzenwerte“ in negativer Hinsicht in der Nacht vom 03. auf den 04. September 2009 beobachtet werden. Sowohl der letzte Bus der Linie 618 in Richtung Oberbarmen kam fünf Minuten zu früh an, auch die letzte 640 hatte kurz vor der Endhaltestelle in Ronsdorf eine -4 auf dem Display beim Fahrer vorne stehen. Da wollten wohl wieder einmal zwei Fahrer überpünktlich Feierabend haben. Letzteren Wert fuhr zudem auch die 645 in den Abendstunden des 14. September 2009 am Hahnerberg in Richtung Burgholz heraus.

Besonders eilig hatte es auch der Fahrer der Linie 620 am 16. September 2009: Er hatte anschließend weder Schluss, noch musste er irgend einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Aber dennoch raste er in einem „Affenzahn“ die Ronsdorfer Straße hinab, sodass er an der „Haubahn“ bereits drei Minuten zu früh dran war. Hätte ein Fahrgast an den Haltestellen „Am Walde“ oder „Böhler Hof“ gestanden, so hätte er keineswegs rechtzeitig bremsen können. Die größte Differenz zur „Normalzeit“ hatte allerdings der NE6 in Richtung Ronsdorf am 27. September 2009. Nachdem er glatte zehn Minuten zu spät am Hauptbahnhof losgefahren war, da noch auf Anschlussbusse gewartet wurde, fuhr er auf den Südhöhen noch zwei weitere Minuten heraus. Und das, obwohl die Fahrtzeit der NachtExpress-Linie nach Ronsdorf sowieso schon äußerst knapp bemessen ist – er kommt regelmäßig zu spät.

Da marzl kurzfristig Mitte August 2009 entschied, seine Blog-Tätigkeit an den Nagel zu hängen, zieht der ÖPNV-Report für Wuppertal ab sofort ins wupperblog um. Neben dem „Erfinder“ haben Kati und Marcus vom wupperblog ja bereits seit März 2009 mit eigenen Stichproben die Statistik ergänzt und anschließend über die Ergebnisse hier an dieser Stelle berichtet. Die „offizielle“ Auswertung wurde bislang jedoch im „Blog3000“ veröffentlicht. Ab Oktober 2009 zählt dann auch wieder marzl beim ÖPNV-Report mit.

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Kommentare

      Petra K.
      13.10.2009, 05.21 Uhr

      Zu spät kommen oder zu früh abfahren, da hab ich auch so meine Erfahrungen gemacht. Sehr ärgerlich war es für mich am 27. September, Flohmarkttag, als ich mit dem Nachtexpress um kurz vor 5 Uhr vom Clausen in Richtung Hauptbahnhof wollte. Nachdem ich über 10 Minuten dort umsonst wartete, ging ich zu Fuß weiter um nach weiteren 2 Minuten mitansehen müssen, das dieser Nachtexpress an mir vorbeirauschte. Um Haaresbreite wäre ich beinahe am Kipdorf in einer plötzlichen Schlägerei reingeraten. Der Schreck hätte mir erspart bleiben könnnen, wenn der Bus pünklich gekommen wäre.
      Verstehe ich nicht, das ein Nachtexpress fast eine viertel Stunde Verspätung hat, da ist nix los auf den Straßen….

      Merlin
      17.10.2009, 19.03 Uhr

      Der ÖPNV in Wuppertal ist und bleibt leider ein trauriges Thema. Kurz und bündig zusammengefasst: Viel Geld für schlechten Service 🙁

      In den letzten Tagen ist mir der Fahrstil diverser Busfahrer negativ aufgefallen 🙁

      Katharina Malik
      18.10.2009, 19.48 Uhr

      @ Merlin Nicht nur der Fahrstil. Ich zweifel langsam am Verstand einiger Fahrer.

      Vor einigen Tagen bin ich mit dem CE 62 in Richtung Elberfeld gefahren. Am Hauptbahnhof angekommen, hatte ich nur wenig Zeit meinen Anschluß zu bekommen, daher bin ich während der Fahrt schon mal Richtung Tür (vordere) gegangen. An der Haltestelle am Hauptbahnhof (oben) stand ganz vorne ein PKW. Der Bus hätte genügend Platz zum halten gehabt. Zumal da ja auch hin und wieder zwei oder drei Busse stehen. Der Busfahrer ist allerdings auf der Straße geblieben, hat sich so neben den PKW gestellt, das es wirklich schwer war vorne auszusteigen. Ich hatte den Fahrer seltsam angeguckt. Darauf hin hupte er und rief zum Fahrer: “ Das ist mein Platz!“… und regte sich auf.

      Hallo? ist das so schwer dahinter zu parken und die Leute anständig aussteigen zu lassen?

      busfahrer
      21.10.2009, 22.16 Uhr

      das über busfahrer so gedacht wird weis ich, aber habt ihr euch schon mal überlegt, das auch ein fahrer nach 13std. schicht nach hause will!
      so geht es mir, und wenn es was posizives gibt dann wird es nur als selbstverständlich angesehen.
      was würdet ihr tun wenn es uns nicht gäbe?

      ein linienbusfahrer

      Verärgerter Fahrgast
      15.12.2014, 00.25 Uhr

      Leider habe ich das zu-früh-losfahren nun mehrmals erleben dürfen. Es wäre weniger ärgerlich, wenn ich nicht jedes Mal vor der Tür stünde, um dem Fahrer meine Anwesenheit zu signalisieren, doch fährt dieser trotzdem los.
      Mir ist nicht ganz klar, warum man als Fahrer nicht an der Haltestelle bis zur angegebenen Abfahrtszeit warten kann, unabhängig davon, ob dort jemand steht oder nicht. Wer einen Bus fahren darf, sollte doch auch eine Uhr ablesen können.

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