WZ will neue Leser werben mit Spar-Serie

Ein Foto vom Werbebrief des WZ-Chefredakteurs Roeingh„Wir kommen mit unserem Geld von vorn bis hinten nicht mehr aus.“ So zitiert Friedrich Roeingh, Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung (WZ) eine namentlich nicht genannte „Leserin“ in einem Werbebrief. Dieser wurde in den vergangenen Wochen zahlreichen Haushalten im Tal zugestellt, die wahrscheinlich früher schon die WZ gelesen hatten oder irgendwann mal einem kurzen Probeabo zugestimmt hatten.

Der Grund für diese Werbung ist die neue Serie „Preis-Check“, die mit der Ausgabe vom 28. April 2009 starten soll. Denn für sein Abonnement erhält man nicht nur einen 15-Euro-Tankgutschein von Aral sowie ein Schreibset mit den persönlichen Initialien für die „Schnellen“, sondern auch Tipps und Ticks, wie man „in fast allen Lebenslagen teilweise richtig viel Geld sparen“ könne. Die Ergebnisse seien „verblüffend“, so Roeingh.

Einen Spartipp wird man jedoch wohl nicht beim „Preis-Check“ finden: Nämlich die Tageszeitung abzubestellen. Im Falle der Westdeutschen Zeitung hätte man so locker 22,50 Euro pro Monat mehr im Portmonee und könnte seine Informationen beispielsweise über das Internet beschaffen. Neben anderen Medien sicherlich auch beim Online-Auftritt der WZ, denn dieser wird monatlich von rund 140.000 Besucher angeklickt.

Aber die Westdeutsche Zeitung hat ein großes Problem: Ihre Zeitung wird immer weniger verkauft. Hatte man im vierten Quartal 2006 nach IVW-Zählung eine verbreitete Gesamtauflage von 146.903 Exemplaren, sank diese Zahl im vierten Quartal 2008 auf nur noch 134.301 Exemplare. Ein Minus von knapp zehn Prozent, wobei zum Ende des Jahres 2008 die verkauften Zeitungen wieder leicht stieg. Kein Wunder also, dass WZ-Chefredakteur Friedrich Roeingh kräftig die Werbetrommel rührt. Die Finanzkrise macht auch den Tageszeitungen deutlich zu schaffen.

Allerdings sollten sich die Verantwortlichen der WZ mal fragen, weshalb so viele Abonnenten ihnen den Rücken kehren. Denn allein im Tal ist großer Unmut gegenüber der Zeitung zu spüren. Die Leser wollen nicht nur informiert sein, sondern auch einen Mehrwert. Und den erreicht man nicht durch boulevardeske Themen und äußerst spektakuläre Fotos (und Online-Galerien) von Unfällen oder anderen Katastrophen. Den „starken Lokalteil“, den man auf seiner eigenen Homepage so ausführlich anpreist, vermissen viele. Wieso ist der Mantelteil größer als die Berichterstattung über Themen vor der eigenen Haustüre? Eine anspruchsvollere Berichterstattung mit deutlich weniger Fehlern ist zwar teurer, bringt aber auch treue Leser wieder zurück. Bunte Werbebriefchen mit reißerischen Serien ohne „richtige“ Tipps helfen da nur kurzfristig aus.

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Kommentare

      CeKaDo
      16.04.2009, 19.07 Uhr

      Das ist auch für mich der Grund, warum ich viel lieber eine der freien Werbezeitungen studiere, als mir eine Tageszeitung zu abonnieren.

      Weiträumigkeit ist ja schön und gut, doch was interessieren mich als (z.B.) Schwelmer die Nachrichten aus Iserlohn oder Velbert? Ich brauche das, was im Umkreis los ist. Und wohlgemerkt, nicht nur die Katastrophen.

      Inzwischen liefern mir die Werbeblättchen oftmals mehr lokalen Inhalt als die Tageszeitung. Wobei mir das ganzseitige bezahlte Lobgehudel eines Lebensmitteldiscounters aus Ennepetal auch mächtig auf den Plömmel geht. Aber da weiß ich wenigstens, das Blatt zieht mir kein Geld aus der Brieftasche.

      Doch ich ahne schon, die Wirtschaftskrise wird die Zeitungen dazu bringen, ihre Online-Infos künftig vollends kosten- und werbepflichtig zu machen. Ähnlich wie diesen Blog wird es bald nur noch schlagzeilen frei geben und der Rest ist dann gegen Bares zu lesen.

      Wobei mir kostenpflichtige Blogs noch nicht untergekommen sind. Und ich hoffe, auch bei den Blogs in der Nähe bleibt das so 🙂

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