CDU im Tal gegen die eigene Kanzlerin

Die Hauptschule Cronenberg ist eigentlich nicht mehr zu retten. Der Verwaltungsvorstand der Stadt lehnte das Bürgerbegehren der Elterninitiative ab, da unter anderem der Kostendeckungsvorschlag nicht ausreichend sei. Eine beliebte Begründung, um ein Bürgerbegehren scheitern zu lassen. Besonders hinterhältig ist aber die Äußerung von Stadtkämmerer Johannes Slawig, das Begehren sei nur dann ohne Weiteres zugelassen worden, wenn in dem Antrag eine andere Schule zur Schließung vorgeschlagen worden wäre. Und genau das wollten die Eltern nicht. Wie denn auch? Kennen sie sich in der Wuppertaler Schullandschaft so gut aus, dass sie wissen, an welchen Schulen der Schuh zwickt, und diese daher geschlossen werden könnten? Das wissen sie nicht so genau, wie die Stadtverwaltung, daher war es durchaus auch sinnvoll, keine andere Hauptschule zur Schließung vorzuschlagen.

Okay, sinnvoll vielleicht nicht direkt. Denn nun wird sich der Rat der Stadt Wuppertal in seiner Sitzung am 15. September 2008 trotz der fast 15.000 von Eltern, Schülern, Lehrern und Freunden gesammelten Unterschriften wohl gegen die Hauptschule an der Berghauser Straße entscheiden. Eine Schule, an der das Zusammenleben und Arbeiten zwischen Lehrern und Schülern bestens funktioniert. Wo die Schüler nach ihrem Abschluss dank bester Kontakte zur Cronenberger Wirtschaft eine recht rosige Zukunft bevorsteht. Anders als an vielen anderen Schulen.

Und selbst CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich auf der CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz am Sonntag, 07. September 2008, für Hauptschulen aus, in denen Unternehmen wie BMW und andere hervorragende Facharbeiter der Zukunft rekrutieren könnten. Wie eben in Cronenberg, aber die Wuppertaler Gemeinschaft aus CDU und SPD scheint dies noch nicht so recht mitbekommen zu haben. Lieber eine gut funktionierende Schule schließen und zukünftige Schüler auf sogenannte “Problemschulen” verteilen. Das hilft weder den Schülern, noch der Politik – darüber sollte man in Wuppertal mal nachdenken…

Wieso sollte der Stadtrat keinen Bürgerentscheid zulassen? Dort liegen die Hürden noch ein bisschen höher. Es stünde der Wuppertaler Politik gut zu Gesicht, die Bürger in dieser Sache selbst entscheiden zu lassen. Schließlich gibt es auch noch weitere Hauptschulen im Tal. Man beachte: Aller Wahrscheinlichkeit nach ist am 07. Juni 2009 Kommunalwahl!

WERBUNG

Kommentare

      Susanne
      11.09.2008, 10.12 Uhr

      warum sind die Eltern gegen eine Schließung der Hauptschule?

      Marcus Müller
      11.09.2008, 10.18 Uhr

      Weil das eine Schule ist…

      …an der das Zusammenleben und Arbeiten zwischen Lehrern und Schülern bestens funktioniert. Wo die Schüler nach ihrem Abschluss dank bester Kontakte zur Cronenberger Wirtschaft eine recht rosige Zukunft bevorsteht. Anders als an vielen anderen Schulen.

      Susanne
      11.09.2008, 10.28 Uhr

      mh, ich wäre froh, wenn mein Kind nicht auf eine Hauptschule gehen müsste. Eben wegen dem schlechten Image in der Öffentlichkeit. Aber so wie es aussieht, scheint ja diese Schule eine Ausnahme zu sein.

      Heute würde ich vermutlich aus dem bestehenden Angebot die Gesamtschule auswählen wollen.

      Marcus Müller
      11.09.2008, 10.54 Uhr

      Aber manche Unternehmen suchen halt Hauptschüler, weil sie mit Real- und Gesamtschülern sowie Gymnasiasten nichts anfangen können. Und wenn die dann eine hervorragende schulische Ausbildung genossen haben, wie das in Cronenberg der Fall ist, dann sind die Firmen regelrecht hinter diesen Schülern her. Als “hervorragende Facharbeiter der Zukunft”.

      Es kommt immer darauf an, zu was das Kind in der Lage ist…

      Andreas
      11.09.2008, 11.45 Uhr

      Gibt es denn verlässliche Zahlen zu der Behauptung, dass den Kindern “eine recht rosige Zukunft bevorsteht”? Diese fehlen bisher nämlich gänzlich, leicht sind solche Behauptungen jedoch immer aufzustellen.

      Marcus Müller
      11.09.2008, 11.51 Uhr

      @Andreas
      Dann frage mal bei der Gemeinschaft Cronenberger Unternehmen (GCU) an… Die haben sich nicht umsonst hinter die Hauptschule gestellt und arbeiten mit allen drei Cronenberger Schul(form)en zusammen.

      Thommy
      11.09.2008, 14.52 Uhr

      Ohne Moos nix los …

      Das Problem sind die Kosten … nicht die Schule … nicht die Schüler … nicht die cronenberger Wirtschaft … halt stopp … Kosten … Wirtschaft … wenn der Cronenberger Wirtschaft wirklich etwas an dieser Schule liegen würde … wäre es bestimmt möglich in Zusammenarbeit mit Eltern und Cronenberger Unternehmen einen Finanzierungsplan auf die Beine zu stellen … jetzt dürft Ihr wieder.

      Max
      11.09.2008, 19.48 Uhr

      Eine sehr konkrete Nachfrage zu dieser Behauptung: “Wo die Schüler nach ihrem Abschluss dank bester Kontakte zur Cronenberger Wirtschaft eine recht rosige Zukunft bevorsteht. Anders als an vielen anderen Schulen.”

      Wie viele Schüler der Hauptschule in Cronenberg wurden denn wohl im Durchschnitt in den letzten Jahren von der Cronenberger Wirtschaft übernommen??? Wenn Sie die Vertreter der Cronenberger Unternehmen einmal darauf ansprechen, werden Sie staunen, wie ausgesprochen klein diese Zahl sein wird.

      Also bitte nicht immer einfach alles so übernehmen ohne eine anständige Recherche!

      Marcus Müller
      12.09.2008, 14.15 Uhr

      @Max
      Die Cronenberger Wirtschaft (GCU, siehe oben) engagiert sich sehr für die Schüler an allen drei weiterführenden Schulen in Cronenberg (Hauptschule) und auf Küllenhahn (FBR und CFG). Neben Förderungen und Ausbildungsbörsen können Schüler auch in Cronenberg bei zum Teil weltweit agierenden und bekannten Unternehmen ihre Praktika absolvieren.

      Andererseits ist auch wieder die Frage, wieso sogar Schüler aus Velbert sich explizit die Cronenberger Hauptschule aussuchen und tagtäglich über Jahre einen weiteren Anfahrtsweg in Kauf nehmen? Hat das gegebenenfalls etwas mit dem guten Ruf der Schule zu tun, die sie in ganz Wuppertal und vielleicht auch ein bisschen darüber hinaus besitzt?

      Andreas
      12.09.2008, 16.02 Uhr

      Die GCU engagiert sich für alle Schulen in Cronenberg, und das ist eben der Punkt. Aber Engagement, und insbesondere im Fall der HS Cronenberg, muss auch belegt werden – eben mit Zahlen. Diesen Nachweis gibt es aber nicht. Das muss man so auch kritisch feststellen.

      Weiterhin muss man auch darauf hinweisen, dass die Stadt gar keine andere Möglichkeit hat. Die Bezirksregierung macht die Vorgabe und damit muss Wuppertal umgehen. In Cronenberg ist der Schülerrückgang halt am geringsten. Das ist zwar für die Cronenbergerinnen und Cronenberger nicht gerade toll, aber Tatsache. Dort sollte man mal die gesamtstädtische SItuation betrachten und aus dem Dorf-Denken herauskommen (Anmerkung: Erlebe dieses Dorf-Denken oft, und hier bestätigt es sich wieder einmal…).

      Ich sehe keinen Grund, warum die Cronenberger Unternehmen sich nicht auch für Schulen in ganz Wuppertal engagieren sollte. Dies wäre wünschenswert, aber andere Unternehmen aus allen Stadtteilen müssten natürlich mitziehen.

      Übrigens erinnere ich mich noch an die Diskussion um die Einführung von Studienbeiträgen. Die Wirtschaft hat damals groß ein Stipendiumprogramm angekündigt als sie Studiengebühren bejaht hat. Heute, 4 Jahre später, wissen wir was dann konkret gekommen ist: Nichts!

      Marcus Müller
      19.09.2008, 11.40 Uhr

      Zahlen sind nicht alles, Andreas! Wer in den vergangenen Wochen die Medien im Tal und in Cronenberg verfolgt hat, der hat mitbekommen, dass die GCU wieder Schüler für ihre Leistungen gewürdigt hat und zum wiederholten Male eine Lehrstellenbörse veranstaltete. Während die Hauptschule dort sehr gut vertreten war, ließen sich Realschüler aber in erster Linie Gymnasiasten kaum blicken. Sicherlich sind im Vorfeld auch einige Firmen abgesprungen und standen nicht für die Schüler zu Gesprächen zur Verfügung, aber das kann verschiedene Gründe haben. Die Hauptschüler finden in Cronenberg jedoch recht gute Voraussetzungen vor. Wieso fahren sie denn oftmals lange Wege, um gerade zu dieser kleinen Schule zu kommen?

      Wäre es nicht sinnvoller, eine “langsam sterbende” Schule zu schließen, statt einer gut funktionierenden und beliebten? Das hat nichts mit Dorf-Denken zu tun, die meisten Schüler der Hauptschule an der Berghauser Straße kommen nicht aus Cronenberg. Das ist über den Stadtteil hinaus von Interesse! Aber haben andere Schulen solch gute Verknüpfungen in die Wirtschaft und zur Nachbarschaft? Eher nicht…

      Aber es ist ja (fast) vollbracht…

Diesen Beitrag kommentieren: