Die WZ wandelt auf BILD-Spuren…

Irgendwie mag man inzwischen den traurigen Eindruck gewinnen, dass sich die Westdeutsche Zeitung (WZ) mit ihrer Wuppertaler Lokalredaktion immer mehr an anderen Zeitungen orientiert. Nicht nur, dass sie zum Beispiel unendlich lange Foto-Galerien auf ihrer Homepage einrichtet, um möglichst viele Klicks zu erreichen. Nein, nun werden auch in allerbester „BILD“-Manier auch Anonymisierungen richtig „in den Sand gesetzt“.

Die Onlineredaktion der WZ war nämlich zusammen mit dem Wuppertaler Ordnungsamt auf abendlicher Kontrolltour durch Diskotheken und Clubs. Im Ziel dabei: Alkohol konsumierende Jugendliche unter 18 Jahren. Ein überaus heikles Thema, wo man bei Berichterstattung in Print-Medien gerne auf eine entsprechende Bebilderung verzichtet oder Fotos so manipuliert, dass die zu sehenden Jugendlichen nicht erkannt werden können. WZ-Fotograf Uwe Schinkel gelingt dies auch gleich zweimal eindrucksvoll, dem Video-Team aus dem gleichen Hause jedoch nicht.

Zwar ist der Wille erkenntlich, eine Anonymisierung eines Jugendlichen bei einer Hinterhof-Kontrolle wird versucht. Aber kaum bewegt sich der Jugendliche durch das Bild folgt ihm die Anonymisierung nicht. Der Jugendliche ist – wie einige andere nicht unkenntlich gemachte junge Wuppertaler – also klar erkennbar. Ebenso wird ein anderer beim „Pusten“ mit dem Rücken zur Kamera gefilmte Jugendliche in der nächsten Einstellung – einem Interview mit der WZ-Reporterin – im Hintergrund (natürlich nicht unkenntlich gemacht) von vorne gezeigt, wie er von Mitarbeitern des Ordnungsamtes aus einer Gruppe herausgeholt wird.

Bei einem solchen Thema sollte Wuppertals größte Tageszeitung mit ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl und journalistischer Sorgfaltspflicht herangehen. Denn vielleicht sieht das Video bei der WZ ja auch ein Firmeninhaber, bei dem der Jugendliche zum Vorstellungsgespräch eingeladen ist – und die Folgen kann man sich dann denken.

Gleiches gilt übrigens auch für die Kommentare zu diesem Video. Dort äußert sich eine verzweifelte Mutter mit ihrem vollen Namen, die sogleich auch noch den Vornamen ihres Sohnes verrät. Der ist 18 Jahre alt und geht wohl gerne feiern. Er konsumiert Alkohol, „weil er Spass haben“ will. Auch hier wäre es von Vorteil, wenn die Onlineredaktion solche Kommentare modereieren würde. Denn die Mutter richtet mit ihrem Beitrag ihrem Sohn vielleicht größeren Schaden an, wenn Bekannte, Freunde oder sogar zukünftige Arbeitgeber das lesen…

Wir haben das betreffende Video der Onlineredaktion der Westdeutschen Zeitung absichtlich nicht in diesem wupperblog-Beitrag verlinkt, um die Identitäten der Jugendlichen nicht weiter zu verbreiten.

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Kommentare

      medienlese.com » Blog Archiv » 6 vor 9
      05.08.2008, 08.56 Uhr

      […] 4. “Die WZ wandelt auf BILD-Spuren…” (wupperblog.de, Marcus Müller) Marcus Müller sorgt sich um seine Zeitung: “Irgendwie mag man inzwischen den traurigen Eindruck gewinnen, dass sich die Westdeutsche Zeitung (WZ) mit ihrer Wuppertaler Lokalredaktion immer mehr an anderen Zeitungen orientiert.” […]

      blogZicke
      05.08.2008, 20.49 Uhr

      Wuppertal, Kran schlitzt Schwebebahn auf…

      Gegen 17 Uhr schlitzte auf der Kaiserstraße in Vohwinkel, kurz vor der Haltestelle „Hammerstein“ ein Kran die Schwebebahn auf.

      Auf Psychomuell gibt es das Bild auch in großer Auflösung, mehr konnte ich leider mit meiner kleinen Kamera nicht her…

      Karl
      07.08.2008, 15.54 Uhr

      Gebt doch bitte den Praktikanten auch ihre Chance!

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