Ein bisschen zu überschwänglich

Auch am Wupperbeach wurde mitgezittertWenn laut gröhlende Fußball-Fans durch die Polizei eskortiert werden, dann muss nicht zwingend was vorgefallen sein. Am Donnerstagabend, 19. Juni 2008, hatte dies aber doch seine Berechtigung. Im Tal selbst fand eigentlich gar kein Fußballspiel statt, vielmehr hatten sich wieder tausende Fans in Cafés, Bars, Kneipen oder anderen Lokalitäten zum Public Viewing getroffen – und feierten anschließend ausgelassen auf den Straßen.

So weit, so gut: Viele Fans zitterten über 90 Minuten mit und waren happy, als es dann hinterher doch mit dem Weiterkommen klappt hatte. Aber irgendwie war die allgemeine Situation nach dem Spiel im Tal aber noch eine Spur „schlimmer“ als sonst. Schließlich hatte die deutsche Fußballnationalmannschaft gerade Mitfavorit Portugal in Viertelfinale aus dem EM-Turnier geworfen. Klar, dass da die Feierlaune noch um einiges anstieg, hatte man vielleicht doch gar nicht mit einem Sieg von „Jogis Jungs“ – die es an diesem Abend strenggenommen ja gar nicht waren, eher „Hansis Jungs“ – gerechnet. Und umso voller war es dann auch bei den Siegesfeiern auf der Talachse von Elberfeld bis Oberbarmen.

Doch auch unverständliche Beobachtungen konnte man an diesem Abend machen: Kaum war das Spiel abgepfiffen und die ersten Autos begannen zu hupen, da meinten einige wohl, die Straßenverkehrsordnung sei außer Kraft gesetzt. An der Kreuzung Kleeblatt / Bahnhofstraße in Elberfeld fuhren innerhalb weniger Minuten gleich zwei Autos über eine rote Ampel. Und das, obwohl der Fan-Zug vom Wupperbeach an der Historischen Stadthalle hinunter zum Hauptbahnhof, der von der Polizei über die Straße eskortiert wurde, noch gar nicht in Sicht war.

Fußgänger mussten auf dem Bürgersteig vor in geringer Höhe an Holzstöcken aus den Beifahrerfenstern der vorbeifahrenden Autos herausgehaltenen Flaggen in Deckung gehen, um sich nicht zu verletzen. Acht Personen in einem Kleinwagen, wovon mindestens die Hälfte aus dem Schiebedach hingen und lautstark jubelten, wurden ebenso gesichtet. Am Döppersberg in der dichten Menschenmenge Feuerwerkskörper zu zünden ist aber ebenso wenig gesund. Und ein alkoholisierter Fußball-Fan quittierte auf der Bundesallee seinen Leichtsinn, sich während der Fahrt aus dem Beifahrerfenster zu hängen, mit der Einlieferung ins Krankenhaus – Diagnose: Gehirnerschütterung.

Feiern kann man ja gut und gerne. Und auch ausgelassen. Aber muss man es dann gleich übertreiben? Nur weil Deutschland überraschend gegen Portugal gewonnen hat, da muss man doch nicht gleich Wuppertal in einen echten Ausnahmezustand versetzen! Wie soll das denn werden, wenn man im Halbfinale auf die Türkei treffen sollte wird?

Einen ausführlichen Bericht von der Wuppertaler Fußball-Party nach dem EM-Viertelfinale gegen Portugal gibt es wieder auf www.wupperguide.de.

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Kommentare

      engl
      22.06.2008, 10.44 Uhr

      naja, erst die deutschen, dann die türken, gestern die russen, heute (vermutlich) die italiener. berlin ist dauerbejubelt. aber gut, so leicht dann doch nicht total lahmzulegen, wie es im tal möglich ist.

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