Sind Schulabgänger wirklich „dumm“?

So gut wie seit Jahren nicht mehr sind derzeit die Chancen für Schulabgänger eine Lehrstelle zu bekommen. So heißt es derzeit zumindest an allen Ecken und Enden. In Nordrhein-Westfalen standen im April 2008 den insgesamt 60.940 Bewerbern zwar lediglich 37.810 Stellen gegenüber, die Quote hat sich im Vergleich zu den Vorjahren jedoch etwas gebessert. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet zum nächsten Ausbildungsjahr sogar mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. In Düsseldorf, Köln und Mönchengladbach ist dieses Soll jetzt schon erreicht, wie WDR.de berichtet. Die Arbeitsagentur geht aber nicht davon aus, dass im Laufe des Jahres noch mehr Lehrstellen in NRW angeboten werden, als es letztlich Bewerber gibt.

Noch haben es Unternehmen hierzulande also „gut“, denn sie können aus den vorhandenen Bewerbern sich die besten herauspicken. Doch glaubt man „Bild.de“, so sind viele Bewerber „dumm„. „Den Bewerbern fehlt es an allen Ecken und Kanten – Rechnen, Lesen, Schreiben, mündlicher Ausdruck, Allgemeinwissen. Auch Disziplin, Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit fehlen bei vielen Bewerbern. Stattdessen begegnen den Firmen gleichgültige jungen Menschen“, heißt es dort. Von Bewerbungsschreiben ohne Rückadresse und Unterlagen, die aus der Hosentasche gezogen wurden, ist dort die Rede.

Was stimmt also nun? Haben die ausbildenden Unternehmen wirklich eine „wirklichkeitsferne Anspruchshaltung“ durch die jahrelange Übersättigung des Marktes oder haben die Jugendlichen weniger Anstand und Benimm gelernt? Ist es denn wirklich so schwer, gewisse Regeln zu beachten? Ansonsten bleibt mit der Bewerbungsmappe oder in einem persönlichen Gespräch ein miserabler Eindruck zurück. Ein bisschen Bildung schadet nie – vorallem, wenn es um die berufliche Ausbildung geht!

Nur muss sich die Kommunalpolitik auch fragen lassen: Ist es dann richtig, wenn in Wuppertal eine wirklich gut funktionierende und die Schüler optimal vorbereitende Hauptschule geschlossen werden soll?

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Kommentare

      Thommy
      28.05.2008, 15.12 Uhr

      Ha, ha … (ich rede immer nur von denen die wollen, der Rest soll sehen wo er bleibt)

      Ich bitte dich. Nimm dir einen einigermaßen gebildet, Hauptschulabgänger mit durchschnittlichem Zeugnis, aber hohen sozialen Kompetenzen und einen Abiturienten. Bewerbt euch auf die gleiche Stelle, am besten eine handwerkliche.

      Aus zuverlässigen Quellen und anderen Unternehmen weiß ich, dass der Hauptschüler sowieso ersteinmal ganz hinten angestellt wird. Das ist ein Problem, denn das geschieht nur, weil sich unter anderem höher qualifizierte mit Abitur etc. bewerben.

      Wen würdest du nehmen? Ich würde den nehmen der schon in der Zeit vor der Ausbildung Leistung gezeigt hat, also wohl eher den Abiturienten, außer der wer der totale Vollhonk im Umgang mit den Werkzeugen oder so.

      Klaro kann sich jeder bewerben, aber wofür hat Hans Abiturient ein Abitur abgelegt, wenn er den gleichen Job schon seit 3 Jahren ausführen könnte?

      Das Problem liegt in der Jobfindung und der Zeit. Heute ist alles so spezifiziert, dass junge Menschen immer länger brauchen um sich zu orientieren. ich selbst schließe mich da nicht aus. Denn auch ich weiß, dass ich in meinem heutigen job nicht alt und grau werde. Und selbst wenn man sich entschieden hat was man mit seinem Leben gerne anfangen möchte, heißt dass nicht, dass der Arbeitsmarkt das auch hergibt. Ich bin z.B. zur Ausbildung und dann auch später nach Düsseldorf ausgewandert, weil es im Tal nichts vernünfig großes gibt, von dem ich mir gute Ausbildung verspräche.

      Das demnächst alle Ausbildungswilligen einen Ausbildungsplatz bekommen, glaube ich erst wenn Schweine fliegen können. Aber schön wäre es.

      Da ich momentan nicht bloggen kann muss ich hier Kommentarspammen sorry 😉

      Marcus Müller
      29.05.2008, 11.10 Uhr

      In bestimmten Berufen wird aber kein Abiturient, womöglich noch mit Hochschulabschluss, benötigt. Und manche Chefs lehnen in bestimmten Berufen auch Abiturienten kategorisch ab, weil die einfach zu überqualifiziert sind. Berufe, bei denen sich Abiturienten und Hauptschüler gleichermaßen bewerben, sind nicht allzu häufig.

      Aber in den Berufen, wo sich Bewerber mit niedrigerem Schulabschluss als Abitur tummeln, beklagen Chefs zunehmend die mangelnde Einstellung der Schulabgänger. Wenn ein Bewerber seine Unterlagen aus der Hosentasche zieht und beim Vorstellungsgespräch nicht für sich wirbt, dann will der den Job anscheinend nicht. Ansonsten würde er sich mehr ins Zeug legen und den Chef überzeugen.

      Denn die Personalchefs haben das Glück, dass es ein Überangebot gibt. Und wer da nicht punkten kann, der wird hinten an gestellt. Da zählen dann auch nicht nur gute Noten in der Schule, sondern Profile, die man aus einem Lebenslauf und den Zeugnissen herauslesen kann.

      Und ein einigermaßen gebildeter Hauptschulabgänger mit durchschnittlichem Zeugnis und hohen sozialen Kompetenzen hat gegen einen guten Abiturienten in einem handwerklichen Beruf (nicht künstlerisch) recht gute Chancen… Es kommt darauf an, was der Chef will. Will er einen, der alles besser weiß und für Probleme sorgt, oder einen, der mit anpackt und mitarbeitet?

      Bezüglich Kommentarspam: Das was du mit dem Kommentar gemacht hast ist alles andere als spammen. 😉

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