Webnews will brennende Häuser sehen

Alles fing damit an, dass die „BILD“ sogenannte „Leserreporter“ suchte, die Stars, Unfälle und angeblich berichtenswerte Situationen im Bilde festhalten sollten und dafür sogar noch 500 Euro „Honorar“ bekamen. Eine ähnliche Aktion ruft nun auch das Internet-Portal „Webnews.de“ ins Leben. In einer Pressemitteilung titelt man ganz stolz „Bürgerjournalismus startet in Deutschland unter www.webnews.de/augenzeuge“ und sucht spannende „Berichte, Bilder und Videos von aktuellen News aus der Nachbarschaft“.

Solang diese Aktion einen Community-Gedanken hätte, wäre es ja noch in gewissem Maße vertretbar. Doch ruft Webnews öffentlich dazu auf, alles abzulichten, was einem vor die Linse kommt. Seien es Prominente (spätestens seit dem sogenannten „Caroline-Urteil“ ist dies nicht gerade erlaubt), eine große Umweltkatastrophe oder aber auch das brennende Nachbarhaus (siehe Screenshot). Und das alles untertitelt mit dem Slogan: „Schreib dich glücklich bei Webnews“. Noch perverser geht es wohl wirklich nicht, wenn man öffentlich dazu auffordert, zuerst mit der Kamera draufzuhalten und dann erst vielleicht dem Nachbarn in seinem brennenden Haus zu helfen. „So oder so ähnlich scheint die Botschaft zu sein, die zumindest durch die Aufmachung der neuen Rubrik „Augenzeuge“ entweder bewusst oder aus naiver Dummheit verbreitet wird“, schreibt auch Thomas Lückerath im DWDL-Blog.

„Der Bürgerjournalist nimmt einen ganz anderen Blickwinkel als ein professioneller Journalist ein und trägt damit zur Meinungsvielfalt in Deutschland bei“, verteidigt sich Webnews in ihrer Pressemitteilung. Und daher möchte man auch die besten Leserreporter auch für einen „echten Presseausweis“ vorschlagen. Ob das erfolgreich ist, darf bezweifelt werden. Denn zwischen Leserreportern und echten Journalisten gibt es da einen ganz entscheidenen Unterschied: Der Journalist hat gelernt, was er darf und was nicht! Daher sollte man auch diesen Job denjenigen überlassen, die sich damit auskennen. Ein „neuartiges Nachrichtenformat in Deutschland“ sind die Augenzeugen von Webnews nämlich auch nicht: Viele kleinere Zeitungen erhalten bereits von ihren Lesern Fotos zugesendet, die „BILD“ rief unter riesigen Protesten öffentlich dazu auf und auch das Magazin „Stern“ unterhält mit augenzeuge.de eine entsprechend namhafte Plattform für qualitative Lesereinsendungen. Ein Zufall, dass die Webnews-Aktion genauso heißt…

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Kommentare

      Michael
      11.03.2008, 16.25 Uhr

      Danke für diesen guten Beitrag! Viel schlimmer finde ich, das auf den Seiten von webnews folgendes steht: „Webnews sucht alle drei Monate die zehn besten Augenzeugen und schlägt diese für einen echten Presseausweis vor!“ Sind wir denn nur noch ein Volk von Sensationslüsternden Gaffern?! Armes Deutschland…

      Roman
      16.01.2009, 12.15 Uhr

      Toller Artikel!

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