Sind Kopfnoten wirklich schlecht?

Ist 'nicht abschreiben' nicht selbstverständlich?Vor einigen Tagen war es soweit: Mitte Januar 2008 erhielten die Schüler in Wuppertal erstmals seit Jahrzehnten wieder die sogenannten „Kopfnoten“ auf ihrem Zeugnis. In verschiedenen Benotungsbereichen wird dabei das Arbeits- und Sozialverhalten aller Schülerinnen und Schüler festgehalten.

Da viele Schüler dies als ungerecht ansehen, machten am Dienstagmittag, 29. Januar 2008, rund tausend Schüler lautstark darauf aufmerksam, dass sie ihr Sozialverhalten nicht von ihren Lehrern benoten lassen wollen. Sicherlich mag mancher Lehrer das eine oder andere Kriterium nicht richtig einschätzen können, doch wird auf Zeugnissen im Einzelfall explizit darauf hingewiesen, wenn andere Lehrer eine bessere Note vergeben haben, als letztlich auf dem Zeugnis steht. Ganz nach der Maxime: Im Zweifel für den Schüler.

Und dass Kopfnoten durchaus Vorteile haben, das wollen die Schüler nicht einsehen. „Kopfnoten sind, genau wie die Fachnoten, wichtige Begleiter in der Entwicklung der jungen Menschen“, erklärt Dr. Horst-Dieter Hurlebaus, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wuppertal-Solingen- Remscheid: „Sie geben Orientierung für Schüler und Eltern, und sie sind wertvolle Marksteine für Unternehmen, die Schulabgänger in Ausbildung übernehmen.“ Leistung wird – wie immer im Leben – belohnt!

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Kommentare

      Pentzek.org
      30.01.2008, 21.45 Uhr

      Nun, Kopfnoten halte ich insofern für schwierig, als dass man sie nicht an konkret erreichbaren und überprüfbaren Zielen festmachen kann. So kann bspw das Sozialverhalten eines Schlülers von dem einen Lehrer ganz anders eingestuft werden als von dem anderen (leicht verbitterten und Ja-Sager bevorzugenden) Lehrer.

      Die normalen Schulfächer sind immerhin mit messbaren Leistungen bewertbar … klar wird da von dem ein oder anderen die herauskommende Note als ungerechtfertigt gesehen – aber in solch einem Fall lässt sich das leicht mit einer Nachprüfung testen, wie gut der Schüler den Stoff beherrscht …

      Christian H.
      13.07.2008, 18.30 Uhr

      Ich als Schüler (Nächstes Schuljahr 11. Klasse) finde die Kopfnoten zwar in der Theorie gut und in der heutigen Zeit, in der Ausbildungs- und Arbeitsplätze rar geworden sind, auch gerechtfertigt, doch in der Praxis lässt sich mit den Noten leider nicht viel anfangen.
      Bis auf einer Note habe ich in allen Kopfnoten eine „1“ erhalten. Trotzdem weiss ich nicht, womit ich diese verdient habe. Mein Verhalten würde ich eigentlich als Durchschnittlich ansehen (Jetzt mal von den ganzen Möchtegern-HipHoppern etc. die auf den Straßen rumlaufen abgesehen).

      Überhaupt kenne ich keine Person, die eine schlechtere Kopfnote als „2“ bekommen hat, auch wenn ich da ein Paar kenne, die das sehr verdient hätten.
      Auch Firmenchefs die ich kenne geben keinen großen Wert auf die Kopfnoten.

      Kopfnoten – Gerne, aber bitte nicht so!

      Martin Hagemeyer
      03.10.2009, 00.32 Uhr

      Kopfnoten bewerten eben keine „Leistungen“, sondern angebliche „Eigenschaften“. Doch es stimmt: Wer ein gutes Sozialverhalten bescheinigt bekommen möchte, muss im Schulalltag gezielt diesen Eindruck von sich vermitteln, also „so tun als ob“. Das fördert eher Heuchelei.

      Aber vor allem sind Kopfnoten Anmaßung. Heranwachsenden und jungen Erwachsenen hat man nicht von scheinbar überlegener Warte in die Persönlichkeit hineinzureden. Wie sagte respektablerweise ein Lehrer, der bei obiger Demonstration auftrat: „Mit Kopfnoten sollen wir euch bewerten in einem Gebiet, das uns nichts angeht.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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