Im Fadenkreuz der Spammer

Ein eigentlich ruhiger Samstagmorgen kann wohl kaum besser beginnen: Nach einer anstrengenden Woche sucht man ein klein wenig Erholung, startet seinen Rechner um ein paar eMails abzurufen und sich nachrichtentechnisch auf den neuesten Stand zu bringen, da stolpert man gleich wieder über zahlreiche Dinge, die einen nicht zur Ruhe kommen lassen. Neben den neuesten Nachrichten ist das unter anderem auch wieder eine Phishing-Attacke, die es dieses Mal wohl auf Kunden des Paket-Zustellers DHL abgesehen hat. Eine solche eMail finde ich natürlich auch in meinem Spam-Filter vor, der auch am Samstag wieder ganze Arbeit leisten muss.

Kaum hat man bei Onlinekosten.de auch gelesen, dass ein bekannter Telekommunikationsanbieter aufgrund von unerlaubter Telefonwerbung eine Vertragsstrafe von 240.000 Euro zahlt, da klingelt auch schon das Telefon zum ersten Mal an diesem Tag. Keine Rufnummerweiterleitung – ich ahne böses.

Und siehe da, den richtigen Riecher gehabt. Ein junger Mann meldet sich am anderen Ende der Leitung und gibt vor, für die Firma G****** anzurufen. Bei dem Namen klingeln alle Alarmglocken. Er möchte mir ein paar Lose einer staatlichen Lotteriegesellschaft andrehen. Gelassen erkläre ich ihm in einer Gesprächspause, dass er doch bitte meine Daten bei sich im System sperren möge, damit ich nicht weiterhin solche Anrufe bekomme – da wird er gleich ausfallen: Er fragt mich, ob ich „den Arsch offen“ habe, schließlich hätte ich irgendwann mal bei einem Gewinnspiel teilgenommen. Ich solle mir doch genauer die Teilnahmebedingungen durchlesen, fordert er mich sehr unfreundlich auf. Das sei ja nicht seine Schuld, dass er anrufe. Toll, dass so ein Wochenende beginnen muss. Nach ein paar weiteren – meinerseits freundlichen, seinerseits aber ziemlich lautstarken – Wortwechseln beendet der Call-Center-Agent, der „zufälligerweise“ genauso heißen will wie ich, das Gespräch mitten in meinen gelassenen Ausführungen über deutsches Recht.

Auch die Dame an der Hotline des Unternehmens, in dessen Auftrag der Call-BoyCenter-Agent angerufen haben will, zeigt sich sehr erstaunt, ob dieser Unfreundlichkeit. Sicherlich ein namhaftes Unternehmen, das in der Vergangenheit laut Beiträgen auf einschlägigen Internetseiten allerdings schon einige Male durch „Cold-Calls“ von diversen Call-Centern aufgefallen ist. Auch wenn es wohl nichts bringen wird, sie will mich aber jetzt auf die firmeninterne Sperrliste setzen. Ich freue mich schon auf die nächsten Anrufe.

Und wo ich im Internet zu Recherchezwecken so herumstöbere, da fällt mir doch gleich eine Rufnummer auf, die ich in den vergangenen Tagen auch auf meinem Handy erblickte: +494212031820. Ich rief seinerzeit nicht zurück, weil ich nicht wusste, wer mich denn aus Bremen anrufen wollte. Geld gespart.

Und wo man schon so im Fadenkreuz der Spammer gelandet ist, sich vor unerwünschten eMails, Telefonanrufen und Werbeflyern kaum retten kann, da stutzt man immer, wenn im Display des Telefons statt einer Rufnummer oder eines Namens nur „Unbekannt“ angezeigt wird. Am Samstagnachmittag gab es aber Entwarnung: Eine alte Dame meldete sich und fragte, mit wem sie denn späche. Setzen die Spammer schon Senioren an? Zum Glück nicht: Als ich meinen Nachnamen wiederholte, hörte man am anderen Ende eine verlegene Stimme sprechen: „Entschuldigung, verwählt.“ Es wäre doch so schön, wenn sich einge Call-Center daran ein Beispiel nehmen würden…

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