Musik wird oft nicht schön empfunden…

Das waren noch Zeiten: Früher – besser gesagt: vor einigen Jahren noch – prangte in jedem Linienbus der Wuppertaler Stadtwerke ein großer Aufkleber mit einem Spruch des deutschen Dichters Wilhelm Busch.

“Musik wird oft nicht schön empfunden,
Weil sie stets mit Geräusch verbunden.”

Doch seit einiger Zeit sind diese aus den öffentlichen Verkehrsmitteln im Tal verschwunden. Und das gerade zu einer Zeit, wo dank des technischen Fortschritts die Wiedergabegeräte für Musik immer kleiner, transportabler und “lauter” geworden sind. Kaum ein Jugendlicher besitzt ein Handy, welches keine Mp3-Dateien abspielen kann. Und dieser Zustand wird zur Belästigung.

Kaum ein Tag vergeht, an dem man im Bus keinen Jugendlichen antrifft, der neuerdings auf Kopfhörer zum Musik hören verzichtet. Es scheint sich zum neuen Trend zu entwickeln, seine Umwelt mit den neuesten Klängen und Ausrufe der sogenannten “Gangster-Rapper” zu beschallen. Dabei muss man als Fahrgast nicht nur Fäkal-Ausdrücke der übelsten Art über sich ergehen lassen, die oftmals sogar von Kindern gehört werden, die das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, weist man einen Jugendlichen darauf hin, die Musik leiser, sprich mit Kopfhörern zu hören, so wird man gleich beschimpft.

Auch Busfahrer schreiten in solchen Fällen lange schon nicht mehr ein: Während man früher von den Fahrern fast des Busses verwiesen wurde, wenn man seinen Walkman – mit Kopfhörern(!) – ein wenig zu laut eingestellt hatte, so bleiben sie heutzutage in aller Seelenruhe auf ihrem Platz sitzen und ignorieren den Krach aus dem hinteren Teil ihres Gefährts.

Diese Ruhe des “Kutschers” hätte ich auch gerne als Fahrgast. Aber nein, ich muss ja selbst für Ruhe auf meinem Heimweg von einem anstrengenden Arbeitstag sorgen. Denn es stört zwar alle, aber niemand beschwert sich. Warum also sollte ein Busfahrer deshalb eingreifen? Für “die paar Euro”, die man für sein Ticket monatlich bezahlen muss… Und dann erinnere ich mich wieder an die Zeiten zurück, als ich nach der Schule fast aus dem Bus geworfen wurde wegen meines Walkmans. Aber das waren ja noch andere Zeiten, in denen man nicht direkt mit Schlägen oder Anzeigen rechnen muste. Heute traut sich das ja anscheinend deshalb niemand mehr…

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Kommentare

      Marcel
      08.09.2007, 10.38 Uhr

      “Solange es andere nicht hören / wird’s stets auch nicht stören”, ist jetzt noch mein Standardsatz, wenn im Bus mal wieder Lärm herrscht. Was fehlen sie mir, die alten Aufkleber. Und das sage ich als 18-Jähriger 😉

      Thommy
      15.11.2007, 10.39 Uhr

      Jop… Früher habe ich da auch so meine Erfahrungen mit Fahrern der Nahverkehrsverbunde gemacht. Heute interessiert das keine Sau mehr. Ich habe mir selbst einen MP3 Player mit In-Ear-Kopfhörern gekauft. Selbst bei leiser Musik auf dem Ohr bekommt man von Handybeschallungen um sich herum nichts mit und die Außenwelt bleibt von meinem Musikgeschmack verschont. Die Dreistheit der meist jugendlichen mit Migrationshintergrund ist allerdings unfassbar. Es stört alle, einer sagt was, wird angeranzt und alle schweigen. Wenn der ganze Bus oder die um den Betreffenden herum sich beschweren würden sähe die Sache bestimmt anders aus.

      Olsen
      20.11.2007, 04.17 Uhr

      So ähnlich sehe ich das auch. Ich glaube gar nicht, dass die Busfahrer den Lärm “in aller Seelenruhe” zur Kenntnis nehmen, sondern sich einfach nicht trauen, den Mund aufzumachen. Aber ganz ehrlich: Ich würde mich auch nicht mit einer Gruppe von aggressiven Jugendlichen anlegen wollen.

      Nils Tumat
      17.01.2008, 14.19 Uhr

      Ob da die angekündigte “Kultur des Hinsehens (Hinhörens)” hilft? Denn im übrigen ist von der Politik ja hier nichts zu erwarten. Wann wäre so etwas schon einmal Wahlkampfthema gewesen? Und dabei geht es so viele Menschen an (den Nerv). Die Rücksichtslosigkeit siegt bei uns meistens, das ist eine traurige Tatsache.

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