Der Tag, an dem das Wuppertal unterging

Es wäre wahrlich eine Katastrophe geworden, wenn das eingetreten wäre, was zahlreiche regionale und auch überregionale Medien am Sonntag, 09. Januar 2010, berichteten. WDR, „Bild„, „DerWesten“ und Co. vermeldeten nämlich, dass die Wupper über die Ufer getreten sei und eine Bahnstrecke zwischen dem Hauptbahnhof und Vohwinkel überflutet habe. Wenn das wahr wäre, gäbe es Wuppertal nicht mehr!

Ein bisschen Ortskenntnis, gesunder Menschenverstand und eine Portion Gelassenheit vorausgesetzt kann diese Meldung natürlich sofort widerlegt werden. Nirgends in diesem Streckenabschnitt sind die Gleise so niedrig, dass die Wupper sie überschwemmen könne. Immerhin: Medien wie die „Rheinische Post“ sorgten nach den ursächlichen Meldungen der dpa dafür, dass keine Panik entstand: „Innerhalb der Stadt fährt aber noch die Schwebebahn“, hieß es da. Ein Wunder: Wäre die Wupper wirklich über die Ufer getreten und hätte die Bahngleise überflutet, wäre die Schwebebahn gewiss nur noch als Unterwasserbahn unterwegs gewesen. Weltweit auch sicherlich einmalig…


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Selbst tagesschau.de übernahm die Schreckensmeldung aus dem Tal vom WDR: „In Wuppertal überflutete Hochwasser die Bahngleise. Ein Streckenabschnitt in der Stadt musste gesperrt und der Bahnverkehr über das Ruhrgebiet umgeleitet werden“, hieß es da.

Wenigstens auf das sonst eher unzuverlässige und recherchemüde Lokalmedium war hingegen verlass: Die WZ beruhigte ab dem Nachmittag: „Wie derzeit in mehreren Nachrichtenportalen zu lesen ist, soll die Wupper zwischen Elberfeld und Vohwinkel die Bahngleise überflutet und so für einen Zusammenbruch des Zugverkehrs gesorgt haben“, machte man sich am Otto-Hausmann-Ring über die mangelnden Recherchekenntnise der Kollegen lustig. „Nach Angaben eines Bahnsprechers ist daran jedoch auf gar keinen Fall die Wupper schuld, da der Pegelstand mehrere Meter unter dem Niveau der Bahngleise liegt.“ Vielmehr seien wohl Regen- und Schmelzwasser verantwortlich gewesen.

Ob es sich bei dem von der WZ zitierten Bahnsprecher um den auch von der dpa befragten Mitarbeiter (siehe Screenshot von bild.de oben) handelte, war leider nicht in Erfahrung zu bringen…

Screenshot: bild.de

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Kommentare

      -jo-
      11.01.2011, 16.01 Uhr

      Dem Artikel: „Der Tag, an dem das Wuppertal unterging“ ist in der Redewendung der Spruch zuzugeben: „Das Wuppertal ist nicht über die Wupper gesprungen.“ Jeder Wuppertaler kennt diesen Ausspruch, der bringt etwas oder jemand verschwindet oder stirbt. Diese Verben nehmen Bezug auf Folgendes: In einem Wuppertaler Gefängnis gab es in früheren Zeiten einen Todestrakt. Dieser lag aus der Sicht des Gefängnisses auf der anderen Seite der Wupper. Um diesen zu erreichen, musste eine Brücke, die über die Wupper führte, überquert werden. Wenn ein Schwerverbrecher hingerichtet werden sollte, musste er somit über die Wupper gehen.
      Der Artikel: „Der Tag, an dem das Wuppertal nicht unterging“, widerlegt die Falschmeldung regionaler und überregionaler Medien, dass die Fluten der Wupper über die Ufer getreten sei und die Bahnstrecke zwischen dem Hauptbahnhof Döppersberg und Vohwinkel überflutet habe. Der Fernverkehr werde umgeleitet. Die Anwohner überzeugten sich sehenden Auges von der Unrichtigkeit der Medien. Selbst von der topographischen Lage, siehe obiges „Bild“, ist das unmöglich und somit eine krasse Falschmeldung in der Berichterstattung. Für eine Boulevard-Zeitung fehlten nur noch die Toten, um zu berichten: „Wir sprachen als Erster mit den Toten.“
      Eines muss der Schreibenden Zunft dieser Medien empfohlen werden: Gutes Recherchieren zeichnet den Journalisten aus. Er weiß: Das gesprochene Wort verfliegt, das gedruckte Wort bleibt.

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