Gesine Schwan bei IHK-Neujahrsempfang

Gesine Schwan im Gespräch mit Lambert T. Koch, Rektor Uni WuppertalEine ungewöhnliche Zusammenkunft war das am Mittwochabend, 14. Januar 2009, in der Historischen Stadthalle am Elberfelder Johannisberg. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Wuppertal- Solingen-Remscheid hatte zu ihrem alljährlichen Neujahrsempfang geladen – und die Festrede hielt mit Gesine Schwan in diesem Jahr die (erneute) SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, der am 23. Mai 2009 gewählt wird.

Ungewöhnlich war die Auswahl dieser Persönlichkeit schon, aber ebenso interessant. Über 1.000 Gäste kamen, ein Besucherrekord wurde verzeichnet. Es gibt großes Interesse an der SPD-Kandidatin, auch auf Seiten der Unternehmerinnen und Unternehmer.

Die wichtigsten Begriffe, von denen Gesine Schwan sprach, sind Vertrauen und Hoffnung. Sie betonte die Bedeutung der Hoffnung, von der auch US-Präsident Barack Obama in seiner Antrittsrede gesprochen hatte. Die Krise sei gemeinsam zu meistern, jeder einzelne sei verantwortlich. Sie betonte die Freiheit, verwies aber auch auf die notwendige Solidarität. Diese setze Vertrauen voraus, das offensichtlich in die Politik und Wirtschaft verloren gegangen sei. „Vertrauen erwächst aus persönlichem Verhalten.“ Es müsse „verlässlich, wahrhaftig, gerecht und kompetent“ sein. Die „linke Schwan“ wünsche sich daher wieder mehr Unternehmertum und zeigt, dass sie „etwas von Wirtschaft versteht“.

Auch der bergische IHK-Präsident Friedhelm Sträter mahnte in seiner Begrüßung, „die Spielregeln der sozialen Marktwirtschaft“ stärker zu beachten. Gleichzeitig kritisierte er aber auch das Streben nach „Riesen-Renditen“. Sträter und Schwan sind sich näher als gedacht. Der Remscheider General-Anzeiger lobte Gesine Schwan: „Als Festrednerin bewies sie, warum ihre Karriere als Politikwissenschaftlerin sie unter anderem auf den Präsidentenstuhl der Europa-Universität ‚Viadrina‘ in Frankfurt/Oder und in die Funktion der Regierungs-Koordinatorin für die deutsch-polnische Zusammenarbeit gebracht hat.“

Interessant war auch das Verhalten der CDU vor dem Jahresempfang: Mehrere Vertreter, darunter auch einige Landtagsabgeordnete, blieben der Veranstaltung aus Protest fern. Der Wuppertaler CDU-Ratsfraktionschef Bernhard Simon verließ während der Rede den Saal. Einer inhaltlichen Auseinandersetzung geht die CDU aus dem Weg. Das ist schade, muss aber so akzeptiert werden. Peinlich wird es jedoch, wenn eine demokratische Bewerberin boykottiert wird, nur weil sie gegen den Amtsinhaber antritt. „Es entspricht dem Demokratieverständnis unserer IHK, sich mehrere – auch andere – Meinungen anzuhören“, mahnte IHK-Präsident Sträter dazu in seiner Begrüßung.

Dass es auch anders geht, zeigt Fabian Magerl. Der Geschäftsführer der Wuppertaler CDU-Ratsfraktion plant ein Buch mit dem Titel „Einsatz für die Demokratie“, in dem sich rund 20 Politiker zu diesem Thema äußern werden. Magerl hat vor kurzem Gesine Schwan um einen Gastbeitrag gebeten – und bekommt diesen auch.

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Kommentare

      Praesidentin
      11.02.2009, 13.30 Uhr

      Wählt mich und ich werde den Kapitalismus abschaffen.

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