Bahn: Was die Provinz gemeinsam hat

Bahnhöfe in Wuppertal haben Licht und SchattenDas mit den Bahnhöfen in Wuppertal ist so eine Sache für sich. Sie funktionieren und werden genutzt, keine Frage. Aber optisch machen die meisten nicht gerade etwas her. Alt und teilweise schon fast verfallen präsentieren sie sich den vielen Reisenden. Schmuckstücke sind sie wenn dann nur von Außen. Doch nicht alles ist Gold, was dort noch ein bisschen glänzt… Die Wuppertaler Bahnhöfe sind stark sanierungsbedürftig, da besteht kein Zweifel.

Manchmal müssen sogar Wege komplett gesperrt werden, weil Treppen oder Bauwerke marode sind. Der Elberfelder Hauptbahnhof mit seinem langen Tunnel hat fast den Charme einer öffentlichen Toilette, der Vorbau der Bahnhofshalle erinnert an eine provisorische Lösung Marke „do it yourself“. Der Bahnhof in Barmen ähnelt fast schon einer Tropfsteinhöhle. Vohwinkel mit seiner schönen alten Wartehalle ist auch nicht gerade besser. Steinbeck und Unterbarmen verfallen fast ebenso, in Oberbarmen hat man auf den ersten Blick noch den Eindruck, dass trotz einem gewissen Alter fast alles noch einigermaßen funktioniert.

Sich deutlich hervor hebt sich allerdings der neue Haltepunkt in Ronsdorf. Der alte Bahnsteig von anno dazumal wich einem neuen „Beton-Metall-Konstrukt“, welches so ähnlich auch in vielen anderen Orten zu finden ist. Ob in Remscheid-Lüttringhausen, im tiefsten Bayern oder aber an der Nordsee, man fühlt sich fast schon heimisch gleich, sobald man die Bahnsteigkante aus dem Zug heraus betritt. Peinlich in Ronsdorf war allerdings das Verhalten so mancher „Schmierfinke“: Denn der „Haltepunkt“ war noch nicht einmal fertiggestellt, schon prangten an den großflächigen grauen Betonwände zahlreiche Graffiti von sogenannten „Fußball-Fans“ des heimischen Wuppertaler SV Borussia sowie eines schwarz-gelben Vereins aus dem Ruhrpott. Diese Hinterlassenschaften wurden inzwischen zwar wieder beseitigt (siehe Foto), doch irgendwie funktioniert nach langem Umbau immer noch nicht alles. Soll das bei dem geplanten Umbau des Hauptbahnhofes genauso werden? Viel Spaß…

Die NRZ hat zehn Bahnhöfe am Niederrhein unter verschiedenen Aspekten untersucht und das Ergebnis auch online veröffentlicht. Dabei kommt Autor Markus Peters zu einem nicht gerade überraschenden Ergebnis:

Nur der neugestaltete Bahnhof in Kevelaer kann glänzen. Ansonsten herrscht überall mehr oder weniger dringender Sanierungsbedarf. Insbesondere in Duisburg, dem einzigen Fernbahnhof der Region. […]

Welch Wunder! Als ob das am Niederrhein irgendwie anders sein sollte, als in Wuppertal. Sicherlich, manche Bahnhöfe werden fein rausgeputzt als Prestigeobjekte. Aber die Provinz kann man doch durchaus warten lassen – bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag oder auch darüber hinaus. Fällt doch keinem auf. Und wenn saniert wird, dann dauert das auch ewig. Wieso sollte sich die Bahn beim Geld ausgeben beeilen? Die wollen doch irgendwann mal an die Börse. Wieso muss die NRZ das dann so großartig testen? Ändern können sie doch eigentlich nichts daran. Sieht man doch auch an diversen Beispielen (Bahn, Post) in Wuppertal.

Mit Bildmaterial von Thorsten Müller.

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Kommentare

      Klaus Mueller
      20.11.2008, 19.44 Uhr

      Bei diesem Beitrag erinnere ich mich an den brutalen Überfall am S-Bahnhof Setinbeck Anfang dieses Monats (http://www.wz-wuppertal.de/?redid=344017). Ich fühle mich alles andere als sicher an den Wuppertaler Bahnhöfen: kein oder nur wenig Sicherheitspersonal und nicht einmal Videoüberwachung der Bahnsteige. Dagegen wird in Essen jeder Bahnhof so überwacht!

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