Falsches Spiel mit neuer Gesamtschule?

Was für ein Spiel wird eigentlich in der Wuppertaler Politik im Mai 2008 gespielt? Erst wird von heute auf morgen ein Schulentwicklungsplan von der Verwaltung vorgelegt, der die Schließung von zwei Hauptschulen vorsieht. Bei einer regt sich massiver Widerstand von Wirtschaft, Nachbarn und nahegelegenen Schulen, der einfach überhört wird. Stattdessen will man lieber statt zweier Hauptschulen eine neue Gesamtschule im Tal, die “Große Koalition” im Rat machts möglich.

Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung versucht die aufgebrachten Eltern der Schule in Cronenberg mit dem Versprechen zu beruhigen, dass die Südhöhen als möglicher Standort der neuen Gesamtschule geprüft werden würden. Ein Quatsch, denn in Ronsdorf gibt es schon eine Gesamtschule, der Bedarf liegt hierfür vielmehr im Tal – wenn man schon in Sachen Hauptschulschließung so argumentiert, dass der Großteil der Cronenberger Hauptschüler nicht von den Südhöhen käme und daher die äußerst gut funktionierende Schule dicht gemacht werden müsse.

Zwei Tage, nachdem der Rat der Stadt Wuppertal mit den Stimmen von CDU und SPD den neuen Schulentwicklungsplan und damit das Ende der zwei Hauptschulen besiegelt hat, gibt es aus Düsseldorf ein “Kommando zurück”. In einem Gespräch mit Staatssekretär Günter Winands vom NRW-Schulministerium hatte Oberbürgermeister Peter Jung keine “Freigabe” für eine neue Gesamtschule bekommen. “Ganztags- Gesamtschulen werden nicht gefördert”, heißt es lapidar und diese Aussage bringt die Großkoalitionäre im Tal in Bedrängnis.

Hatte die Wuppertaler CDU schon vorher gewusst, dass ihre Landesregierung einen solchen Plan nicht gutheißt? Hat die CDU daher die SPD auflaufen lassen, damit sie den Schulentwicklungsplan absegnet, dafür letztlich aber doch keine neue Gesamtschule erhält? Denn bei der Ganztagsschule ist die Stadt zwar für die Gebäude zuständig, das Land aber für das Lehrpersonal. Und ohne Zustimmung aus Düsseldorf gibt es keine “geförderte” Gesamtschule. War das vorher geplant?

Jedoch will auch Oberbürgermeister Peter Jung zusammen mit Interims-Schuldezernent Dr. Stefan Kühn für die sechste Gesamtschule in Wuppertal kämpfen: “Der Bedarf ist definitiv da”, erklärt Jung, “deshalb halten wir an den Planungen fest, eine weitere Gesamtschule in unserer Stadt einzurichten.” Wieso auch nicht: Schließlich lenkt die Debatte um die Gesamtschule ja schön von der Schließung der Hauptschulschließung ab. Das geplante Bürgerbegehren könnte weniger Aufmerksamkeit erreichen, wenn alle über die neue Gesamtschule sprechen…

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