OB Jung schließt Ausstellung

Oberbürgermeister Peter Jung hat verfügt, dass die Ausstellung “Vom Polizeigriff zum Übergriff”, die gestern im Haus der Jugend eröffnet wurde, sofort geschlossen wird. Der Oberbürgermeister begründete seine Entscheidung damit, dass er eine Ausstellung, die die Arbeit und das Ansehen von Polizeibeamten verunglimpfe und diffamiere, nicht in städtischen Räumen gezeigt haben wolle.

So heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Wuppertal. Die Ausstellung sollte eigentlich vom 08. Januar 2008 bis zum 26. Januar 2008 in Barmen gezeigt werden und Fälle von Polizeigewalt gegenüber Bürgern thematisieren. Während sich in anderen Städten – wie etwa in Berlin oder Bremen, wo ebenfalls städtische Räume für die Ausstellung zur Verfügung gestellt wurden – Begleitprogramme mit Podiumsdiskussionen in das Programm einfügten, hat man in Wuppertal darauf öffentlich verzichtet und sich von Seiten der Stadtoberen auch nicht um eine Diskussion bemüht. Warum?

Wollte man von Anfang an nach so manch hartem Einschreiten der Polizei gegen Zuschauer bei Fußballspielen des Wuppertaler SV Borussia oder den Chaostagen 2007 in der Elberfelder Innenstadt den Blick von der Polizei ablenken? Kunst und Dokumentation darf provozieren, sie muss aber auch erklärend sein. Und auf diese Erklärung hat man in Wuppertal verzichtet. “Wir hätten es begrüßt, wenn die Stadt Wuppertal sich dieser Problematik gestellt hätte, statt Zensur zu üben”, kritisiert auch Gerta Siller, Fraktionssprecherin der Grünen im Rat der Stadt, das übereifrige Einschreiten von OB Peter Jung.

Nachtrag, 10.01.2008: Nachdem die Ausstellung nicht mehr im Haus der Jugend Barmen gezeigt werden durfte, ist sie nun in die Räume des Tacheles e.V. in der Luisenstraße 100 in Elberfeld umgezogen. Gleichzeitig findet dort an drei Terminen auch eine Veranstaltungsreihe zum Thema “Polizeigewalt” statt. Ob dem Oberbürgermeister durch sein Einschreiten klar geworden ist, dass den Veranstaltern durch seine Aktion wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit zuteil geworden ist, als sie im Haus der Jugend wohl in der ganzen Zeit erhalten hätte?

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Kommentare

      Ausstellung zu Polizeigewalt in Wuppertal | Keine Nazis: Blog
      11.01.2008, 08.23 Uhr

      [...] Vorrausgegangen war wohl schon die Auflösung einer Versammlung, bei der ein Film gezeigt wurde. Meldungen in der Presse sind zur Zeit nur spärlich zu finden, daher verweise ich hier auf Indymedia und hier auch. Hier gibt es noch die Pressemitteilung des Tacheles e.V., ausserdem ein Blogeintrag im Wupperblog. [...]

      C-ool Pentzek
      27.01.2008, 17.56 Uhr

      Na, da hat der OB sich keine Rückversicherung beim Stab geholt, oder? Sonst hätte ihn doch die Marketingabteilung auf mögliche Negativfolgen seiner Absicht hinweisen müssen?

      Fritz Windhövel
      04.02.2008, 02.08 Uhr

      Auch damals war Wuppertal ein ganz guter Nährboden für den Faschismus!

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